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Köln: Pink hoch am Seil und im eisernen Käfig

Köln : Pink hoch am Seil und im eisernen Käfig

Pink spielt mit Puppen. Mit lebensgroßen Latex-Puppen. Dabei handelt es sich keineswegs um ein geheimes Laster der 24-jährigen.

Pink - geschrieben „P!NK” - tut es öffentlich, vor mehreren tausend Zuschauern in der, bis auf wenige Restplätze, ausverkauften Kölnarena.

Unterwegs auf „Try This Tour 2004”, weiß die in Philadelphia als Alicia Moore geborene Sängerin genau, was sie ihrem Ruf schuldig ist. „Mich kann man nicht dressieren”, sagt die neue „Bad-Girl-Ikone” von sich.

Lieber dressiert sie andere. Den arglosen jungen Mann mit dem Käppi zum Beispiel, den es vom Innenraum auf die Bühne verschlägt. Zu den peitschenden Klängen von „Respect” darf er sich der hautnahen Aufmerksamkeiten des leicht bekleideten Quartetts erfreuen.

Mit sechs Musikern, drei Tänzerinnen und einer Backgroundsängerin liefert Pink 90 Minuten lang eine Atem beraubende, wenn auch nicht jugendfreie Show. Spektakuläre Einlagen gehören ebenso dazu wie diverse Kostümwechsel, bunte Video-Clips, ein opulentes Bühnen-Styling, gekonnte Choreografien und 17 Stücke plus einer Zugabe.

Dass man sich, bevor man in den Genuss all dessen kommt, den „Queens of Noize” aussetzen muss, die ihrem Namen alle Ehre machen und dafür kräftig ausgebuht werden, ist vermutlich Teil der „Folter”, die sich Pink für ihr Publikum ausgedacht hat.

Von dem Moment an, wo sich der riesige schwarze Vorhang mit dem farbklecksigen „P!NK”-Schriftzug sachte im Luftzug wölbt, wird nichts dem Zufall überlassen.

Mit pinkfarbenem Irokesen-Haarteil hockt die junge Frau, die bisher drei Alben heraus gebracht und rund 20 Millionen Platten verkauft hat, zusammengekauert in einem eisernen Käfig, der an einer Kette auf die Bühne hernieder gelassen wird. Das Tier, das darinnen steckt, ist zweifelsohne ein Chamäleon. Eins, das sich in bester Saloon-Manier mit drei Zorros prügelt, sich als „Alicia hinter den Spiegeln” plötzlich verdreifacht und die einstige „Lady Marmelade”-Mitstreiterin Christina Aguilera beim Spiel mit den Puppen kräftig ärgert.

Pinks Repertoire reicht von druckvollen Rocknummern („18 Wheeler”) über ergreifende Balladen („Eventually”) bis hin zu stampfenden Beatkrachern („Let The Party Started”). Dazwischen ist Platz für Zeitkritik („My Private Vietnam”), religiöse Bekenntnisse der etwas anderen Art („God Is A DJ”) und Vergangenheitsbewältigung („Family Portrait”).

Mal mit blonder Mähne, mal mit zurück gekämmten, schwarzen Haaren, im Glitzer-Bustier, mit zerrissenen Jeans oder gelb-schwarzem Schleppenmantel inszeniert Pink Pink. Ihre Aktionen überzeugen dabei weniger als ein Janis Joplin-Medley mit „Summertime”, „Me And Bobby McGhee” und „Piece Of My Heart”.

Nur von einer Gitarre begleitet, zeigt Miss Moore, wie großartig ihre Stimme ist. Augenzwinkernd duelliert sie sich mit dem Drummer, für „Beautiful” muß noch einmal Erzrivalin Christina herhalten. Dass Pink keine Höhenangst hat, kann sie beim finale furioso erneut unter Beweis stellen.

Kopfüber um eine pinkfarbene Seidenbahn geschlungen, zieht man sie nach oben. Ohne Sicherheitsleine dreht sie sich um die eigene Achse, die Fans, ohnehin schon schier aus dem Häuschen, zollen dem bewundernd wilden Beifall.

Zum krönenden Abschluss gibt es, umgeben vom schützenden Kokon der schwarz gekleideten Bodyguards, ein Bad in der Menge. Kein Zweifel: Pink is beautiful. Und sie weiß es.