1. Kultur

Picassos Zyklus „Suite Vollard” ausgestellt

Picassos Zyklus „Suite Vollard” ausgestellt

Bergisch Gladbach. Die einen sind mit filigranen Linien hauchzart wie Spinnenfäden gestaltet, die anderen schwellen dem Betrachter satt, prall und tintentrunken entgegen.

Sie wirken so plastisch wie Samt, den man streicheln möchte. Die so genannte „Suite Vollard”, hauptsächlich entstanden zwischen 1930 und 1936, gehört zu den schönsten Arbeiten, die Pablo Picasso je schuf.

Und auch zu den seltensten und kostbarsten: Nur ganz wenige Exemplare dieser Serie von 100 Druckgrafiken, die ihren Namen dem Pariser Kunsthändler Ambroise Vollard verdankt, der sie in den 30er Jahren verlegte, blieben über die Jahre komplett.

Die meisten Blätter wurden einzeln verkauft, einige gingen auch über die Jahrzehnte verloren. Noch bis zum 25. Januar besteht nun in der Städtischen Galerie Villa Zanders in Bergisch Gladbach Gelegenheit, sich die „Suite Vollard” nahezu vollständig anzuschauen.

In sieben Räumen, die einst repräsentatives Zuhause einer bergischen Papierfabrikanten-Dynastie waren, sind - als Leihgabe des Mülheimer Kunstmuseums - insgesamt 89 Blätter der Serie zu sehen. In ihrer sehr unterschiedlichen Gestaltung erweist sich Picasso als Meister der Radierung.

Er wendet verschiedene Verfahren wie Stichel, Kaltnadel oder Aquatinta an, die wirkungsvoll kontrastieren und häufig zur Gestaltung von Gegensatzpaaren eingesetzt werden.

Wiederkehrende Themen sind das Atelier des Bildhauers mit seinen Modellen, Skulpturen und Plastiken, der mythologische Minotaurus als Sieger und Besiegter, die Figur Rembrandts und die erotische Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern, die sich mitunter gewaltsam Bahn verschafft.

Viele Figuren aus der Kunstgeschichte

Auf den Abzügen der Platten, die der fast 50-jährige Picasso in seinem Schloss bei Paris mit einer Druckerpresse fertigte, sind Flötenspieler und Faune zu sehen, Mischwesen und Maskierte, Schlafende und Stiere, Künstler und Katalanen, Zecher und Zirkusleute.

Picasso ironisiert seine eigenen Abstraktionen, adaptiert abendländische Kunstgeschichte und huldigt, wie immer und immer wieder, dem Weib. Das ist zu diesem Zeitpunkt blutjung, heißt Marie-Thérèse Walter und ist seit 1927 die Geliebte des verheirateten Malers.

Aus allen Linien und Formen der Akte klingen die Lockungen ihres Körper, allen Modellen und Metamorphosen des Weiblichen sind ihre feenhaft-fernen Züge zu eigen, die Picasso zeitgleich in Kopfplastiken grotesk verformte, was in der „Suite Vollard” vielfach zitiert wird.

Als am 1. Juni 1936 das wohl schönste Blatt der Serie - „Faun, eine Frau enthüllend” - entsteht, das auch Plakatmotiv der Ausstellung ist, verrät der gewölbte Leib der Schlafenden im Licht des Mondes, was zu diesem Zeitpunkt noch keiner weiß: Thérèse Walter trägt Pablo Picassos Kind unter dem Herzen.