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Aachen: Pianistin brilliert bei Chopin-Konzert in Aachen

Aachen : Pianistin brilliert bei Chopin-Konzert in Aachen

Nahezu 200 Jahre sind vergangen, seitdem Chopin in den Warschauer und Pariser Salons rauschende Erfolge feierte — aber die Faszination für diesen genialen Pianisten und Komponisten ist bis heute bei Publikum und Interpreten ungebrochen. Dies zeigte sich am Wochenende wieder bei einem Chopin-Konzert in der Aachener Musikhochschule, bei dem die südkoreanische Pianistin Yeol Eum Son brillierte.

Sie näherte sich an diesem Abend auf unkonventionelle Weise dem polnischen Romantiker und spielte Komponisten, die von Chopin-Themen zu eigenen Werken angeregt worden waren. Zunächst aber erklang ein Frühwerk des Meisters, das er als 14-Jähriger geschaffen hatte: Prachtvoll und elegant zogen die Variationen über das Lied „Der Schweizerbub“ vorüber. Überwiegend lyrisch und verhalten gaben sich dagegen die stark impressionistisch gefärbten Variationen über ein Thema von Chopin von dem Katalanen Federico Mompou.

Ein dritter Variations-Zyklus von Ferrucio Busoni über das Chopin-Prélude in C-moll aus op. 28 entfaltete sich danach stürmisch und temperamentvoll. Hier hatte Yeol Eum Son viele knifflige Aufgaben zu lösen, die meisterhaft bewältigt wurden. Im Gegensatz zu Mompou wird das Thema bei Busoni nicht nur harmonisch verfremdet, sondern bald in Einzelteile „zerlegt“, so dass manche Abschnitte nur motivische Bruchstücke verarbeiten.

Im zweiten Teil des Konzertes standen dann die 24 Préludes op. 28 auf dem Programm. Anders als wie in den oft breit angelegten Nocturnes und Polonaisen zeigt sich Chopin hier als großer Meister der kleinen Form — manche Nummern umfassen kaum mehr als ein Dutzend Takte.

Eine Herausforderung für die Pianistin, die sich nicht nur als vollendete Virtuosin erwies, sondern jedes Stück hochsensibel und oft beklemmend intensiv ausdeutete. Zu musikalischen Erlebnissen wurden etwa das schattenhaft vorbeihuschende Vivace in G-Dur (Nr. 3), das berühmte „Regentropfen-Präludium“ (Nr. 15) oder das Prélude in d-moll, das nach spannungsgeladenem Crescendo in einem Absturz über fünf Oktaven mündet. Zu Recht gab es stürmischen Beifall.

Das Konzert wird im Rahmen der „WDR-3-Konzert“ ausgestrahlt werden.