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Köln: Philharmonie: Fast heitere Momente statt Pathos

Köln : Philharmonie: Fast heitere Momente statt Pathos

Der Kreis hat sich geschlossen. Mit einer brillierenden, facettenreichen Interpretation der 9. Symphonie vollendete Semyon Bychkov, Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Köln, gemeinsam mit dem Prager Kammerchor und dem WDR Rundfunkchor Köln seinen Zyklus der Beethovenschen Symphonien.

Die Spannung war groß in der nahezu ausverkauften Kölner Philharmonie und entlud sich gleich zu Beginn in einem stürmischen Applaus für Bychkov, dessen Zyklus aller neun Symphonien Beethovens - begonnen mit seinem Antritt in der Saison 1997/98 - sich beim Publikum allseitiger Beliebtheit erfreut.

Semyon Bychkov: Beethoven in der Philharmonie
Verantwortlich ist dafür besonders seine luzide Art, die Beethovensche Musik zu interpretieren: falsches Pathos und monströser Pomp dieser bis heute oft als Feierstundenmusik „mißbrauchten” 9. Symphonie sind seine Sache nicht. Ihn interessiert der Kern dieser Musik, ihre Struktur, Anordnung und Verarbeitung der Themen, ihre Bögen aber auch - und das gilt gerade für die Neunte, die keinem geschlossenen Konzept entsprungen ist - ihre Brüche.

Plastizität und Transparenz - das sind die Parameter, die sich durch die gewaltigen Satzblöcke hindurch ziehen und der Neunten einen enormen Reichtum an unterschiedlichsten Facetten abgewinnen.

Bei aller Dramatik, die diesem Werk innewohnt, gewinnt Bychkov den ersten drei Sätzen oft lichte, fast heitere Momente ab und scheut auch vor kammermusikalischer Zartheit nicht zurück.

Mit einem klaren Gefühl für Spannung und Entspannung weiß er die Steigerungen und Höhepunkte fein zu dosieren. Hierbei ist ihm das WDR Sinfonieorchester ein perfekt eingestimmter und in den einzelnen Stimmen wohlausgewogener Partner. Ebenso ausgeglichen und stimmstark zeigten sich im Finalsatz der Prager Kammerchor und der WDR Rundfunkchor.

Das stimmlich überzeugende und gut harmonierende Solistenensemble - Ruth Ziesak (Sopran), Ingeborg Danz (Alt), Thomas Studebaker (Tenor), Reinhard Hagen (Baß) - tat ein übriges zu diesem überzeugenden Konzert. Stürmischer und lang anhaltender Applaus war der herzliche Dank des Publikum für dieses hervorragende Konzert.