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Aachen: Philharmonia Quartett Berlin im Krönungssaal

Aachen : Philharmonia Quartett Berlin im Krönungssaal

Seinem Ruf als makellos und höchst kultiviert musizierende Kammermusikvereinigung wurde das Philharmonia Quartett Berlin bei seinem neuerlichen Auftritt in der Quintessence-Kammermusikreihe im Krönungsaal des Aachener Rathauses einmal mehr gerecht.

Beim Eröffnungskonzert der neuen Saison spielten die Geiger Daniel Stabrawa und Christian Stadelmann, der Bratscher Neithard Resa und der Cellist Jan Diesselhorst ein überaus anspruchsvolles Programm, das mit Quartetten von Robert Schumann, Dmitrij Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven auch dem Publikum einiges an Konzentrationsvermögen und Aufnahmebereitschaft abverlangte.

Zumal es sich im Falle von Schostakowitschs 11. und Beethovens 14. und damit der Entstehung nach letztem Quartett um jeweils siebensätzige, die genauen Satzeinschnitte kaum enthüllenden Zyklen handelt, die sich vom klassischen Formenkanon weit entfernt haben. Noch heute hört man mit Staunen die kühne Architektur und die hohe Spiritualität von Beethovens späten Streichquartetten, die den Zeitgenossen völlig unzugänglich gewesen sein müssen.

Hier feierte denn auch die einzigartige Klangkultur des Berliner Ensembles wahre Triumphe. Hier geht es nicht um große Klangentfaltung und orchestrale Wirkungen. Hier stehen formale Entwicklungen im Vordergrund, die geistige Durchdringung einer hochsensiblen Materie, der Aufbau von Innenspannung in komplizierten tektonischen Strukturen. All dies fand in der Wiedergabe durch die Berliner eine vorbildliche Realisierung.

Auch in Schostakowitschs f-moll-Quartett, einer Trauermusik auf den Tod eines geschätzten Kollegen, trafen die vier Musiker genau den doppelbödigen, von grotesker Simplizität bis zu bohrender Ausdruckstiefe reichenden Tonfall dieser Musik.

Wunderschön musiziert wurde zu Beginn Schumanns klassisch gebändigtes, von hoher imitatorischer Dichte geprägtes F-dur-Quartett. Hier ist alles eitel Wohlklang, Musik von reiner Schönheit. Der Mozart-Satz als Zugabe rundete einen Abend ab, der weniger von anspringendem und überrumpelndem Musiziertemperament geprägt war als von hochgeistiger, tonlich ausgewogener Makellosigkeit.