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Würselen: Peter Vendt vermisst Broichweiden

Würselen : Peter Vendt vermisst Broichweiden

Herr K. und Herr V. haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. K. ist groß und jung, V. ist weder das eine noch das andere. Beide verbringen ihre Tage mit Warten.

K. wartet darauf, endlich arbeiten zu können, V. darauf, die nächste Messung zu kontrollieren. Herr K. heißt Herr K. und ist der Landvermesser in Franz Kafkas Romanfragment „Das Schloss”, Herr V. heißt Peter Vendt, ist auch Landvermesser, sitzt in seinem Wohnmobil in Broichweiden und vermisst die Republik.

Die Vermessung Deutschlands dauert nicht sehr lange, nur ein bisschen mehr als einen Monat. Am 26.Mai haben 34 Messtrupps ihre Arbeit aufgenommen, am 3.Juli werden sie dann 250 Punkte vermessen haben, Peter Vendt und seine beiden Mitarbeiter allein 18. Danach weiß man, wie die Republik sich seit ihrer letzten Vermessung 1990 verändert hat. Kosten für die Länder: zehn Millionen Euro.

Es ist nicht so, dass nach all diesen Messungen weite Teile des Landes neu kartographiert werden müssten, die Messungen dienen eher der Dokumentation. Nebenbei werden Erkenntnisse für den Hochwasserschutz gewonnen, für die Katasterämter, für die Klimaforschung. Und: Die Ergebnisse bilden einen Teil der Datenkette, an deren Ende das Ergebnis der Vermessung der Welt herauskommt.

Graben, warten, kontrollieren

Bevor Peter Vendt mit dem Messen beginnt, muss er erst mal graben. Der Messpunkt Eckersmaar in Würselen-Broichweiden liegt einen Meter unter der Erde am Rande eines Feldes neben der A44. Vendt richtet Stativ und Antenne aus und den Computer ein, dann wird gemessen, jede Sekunde ein Mal. Im Prinzip wird nur die Entfernung zwischen Satellit und Eckersmaar gemessen, 86400 Mal am Tag, aus dem Mittelwert ergibt sich die präzise Lokalisierung des Punktes.

In Eckersmaar wird es vermutlich keine bahnbrechende Veränderung gegeben haben, das ist an anderen Orten natürlich anders. Jens Riecken vom Landesvermessungsamt sagt, dass einige Stellen der Eifel sich innerhalb von 20, 30 Jahren 20 Meter heben oder senken.

Das hat mit tektonischen Verschiebungen zu tun. Oder das Ruhrgebiet: Eine TV-Dokumentation hat kürzlich gezeigt, dass etwa ein Drittel des vom Bergbau untergrabenen Ruhrgebietes unter das Niveau des Meeresspiegels abgesackt ist. Gewaltige Wasserpumpen müssen jetzt dafür sorgen, dass nicht ganze Stadtteile überschwemmt werden. Auch so etwas dokumentieren die Messungen von Peter Vendt.

Vendt sagt, dass sein Arbeitstag im Wesentlichen aus Warten besteht. Er kontrolliert die Messungen, er kontrolliert, dass niemand das Stativ verrückt, er kontrolliert, wie die Messdaten auf seinem Laptop einlaufen.

Herr K. wartet darauf, endlich Arbeiten zu können. Herr V. wartet darauf, zum nächsten Messpunkt aufzubrechen, nach Trier. Am Samstag gegen 12 Uhr bricht er auf.