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Aachen: Performance endet mit deutsch-afrikanischer Polonaise

Aachen : Performance endet mit deutsch-afrikanischer Polonaise

Afrika, der so verlockend wie bedrohlich wirkende, vor allem aber bedrohte Kontinent, ist in diesem ungewöhnlichen Theater-Projekt von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen weit mehr als nur farbenprächtiger Hintergrund.

Mit der interessierten Zuschauerin und „Bewerberin” Nora Krüger, einer 24-jährigen Studentin, sind die Aachener Theatermacher nach Accra, der Hauptstadt von Ghana, gefahren.

Aus der „unglaublichen Welt zwischen Animisten, Naturreligionen, Islam und Christentum” schöpfend, werden jetzt im Mai auf den Bühnen von Theater Aachen und in der gesamten Stadt Auftritte des Ensembles gemeinsam mit Gästen aus Westafrika stattfinden. Vorstellungen und Aktionen, die sich mit der Erforschung von „religiösen Praktiken” beschäftigen.

Den Auftakt des ambitionierten Projekts, das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, machte am Donnerstagabend im Spiegelfoyer des Theaters zunächst eine denkwürdige Begegnung mit dem Pater Richard Narh aus Ghana, der 1998 „als Missionar” nach Aachen kam, wie Monika Gintersdorfer berichtet.

Die Videokünstlerin und Theatermacherin, die in der vorigen Spielzeit „Die roten Schuhe” inszenierte, kreist im Spiegelfoyer übersetzend um den Englisch sprechenden Pater, der in Aachen seine „Internationale Christliche Freikirche” gegründet hat.

Showtalent und charismatisches Sendungsbewusstsein scheinen sich bei Richard Narh die Waage zu halten - wenn er von der Liebe Gottes und dem überfließenden Reichtum unserer mitmenschlichen Liebe spricht, wird man unwillkürlich an amerikanische Erweckungsgottesdienste erinnert - mit gewaltiger Power, mit Humor und mit Wassergläsern präsentiert der afrikanische Pater eine gelungene Performance. Die Theaterbesucher staunen, manchen gefällt´s, einige wenige treibt sein Auftritt aus dem Theater.

Überall hockt das Publikum, auch zwischen den Schauspielern und den afrikanischen Gästen und Mitwirkenden. Ebenso wie andere Ensemble-Mitglieder wendet sich auch Nicole Tobler direkt an einzelne Besucher, spricht von ihren eigenen Erfahrungen mit Religion.

Dass die Afrikaner einen viel ursprünglicheren Zugang zur Religion haben, wird in vielen Szenen zwischen Tanz und Pantomime, aber auch in französischen und deutschen Texten deutlich. Texte, die man nicht Wort für Wort verstehen muss, um zu begreifen, dass die Afrikaner noch eins sind mit ihrer religiösen, sozialen und spirituellen Energie.

Das Gebotene muss nicht jedem gefallen, ebenso wenig wie die gebetsmühlenartigen Wort-Wiederholungen. Alles bleibt in Bewegung, nichts ist abgeschlossen, Veränderungen sind möglich. Am Ende fast Karnevalsstimmung, eine Art deutsch-afrikanische Polonaise mit Publikumsbeteiligung.