1. Kultur

Köln: Perfekter Entertainer mit Sinn für Gefühle

Köln : Perfekter Entertainer mit Sinn für Gefühle

Drei Scheinwerfer, die rotgolden glühen, wie riesige Sonnen, eine Stimme und ein Piano. Das würde eigentlich vollauf genügen. Wenn Lionel Richie (59) zum Balladenteil seines Konzerts in der Lanxess-Arena kommt, ist kollektives Schmachten angesagt.

So als hätte man, mit einem kräftigen Ruck, den Hebel an der Zeitreisemaschine zurück ins Jahr 1984 gerissen, sind viele der 9000 Fans urplötzlich wieder Anfang 20 und schwer verliebt. Denken an Klammerblues auf Keller-Parties, an die Kassette, die damals, wieder und wieder zurückgespult wurde, so lange bis sie leierte -, und eine ganze Halle singt hingerissen „Hello”.

Doch Richie - der bis heute mehr als 100 Millionen Alben verkauft hat und in diesem Jahr mit dem Echo für sein musikalisches Gesamtwerk ausgezeichnet wurde - geschähe bitteres Unrecht, würde man ihn auf seine Rolle als Schmuse-Sänger reduzieren. Klar, es fällt schon auf, dass vor dem Konzert die Besucher hauptsächlich paarweise und händchenhaltend zur Arena streben, und die Bilder trauter Zweisamkeit, die die Saalkamera später einfängt, wären perfekte Reklame für jedes Single-Portal.

Aber der Mann aus Tuskegee (Alabama) hat viel mehr drauf. Einst Mitbegründer der legendären „The Commodores”, legte er in den 80ern eine rasante Solo-Karriere hin, schaffte 2000 spielend sein Comeback und ist bis heute präsent. Nicht nur mit seinen Konzerten (zuletzt in Köln 2007), sondern auch mit seinem aktuellen Album „Just Go”, das gerade herauskam. Zusammen mit seiner fantastischen Band liefert er einen Querschnitt seines Schaffens, das Rhythm ´n´ Blues, Soul und Funk, Dancefloor, Kuschel-Pop und Schmuse-Balladen zur Gleichberechtigung verhilft.

Alles springt von den Plätzen

Hinzu kommt, dass Richie der perfekte Entertainer ist. Schon beim zweiten Stück „All Around The World” lassen die im Innenraum Stühle Stühle sein. Als hätten sie sich verabredet, springen alle von ihren Plätzen auf. Auch mit 59 ist der Sänger blendend in Form, weder seine Stimme noch sein Charisma haben nachgelassen. Die Mischung aus Hits von „The Commodores” wie „Easy” als Eröffnungsstück oder dem bezaubernden „Three Times A Lady”, aus Solo-Erfolgen (darunter „Truly”, „Penny Lover” oder „Dancing At The Ceiling”) und Film-Musik (etwa „Say You, Say Me”, was ihm 1986 einen Oscar einbrachte) tut ein Übriges, den Abend zum Genuss zu machen.

Dass die neue CD ein bisschen kurzkommt, scheint niemanden zu stören. Viel schlimmer wäre es gewesen, wenn Richie nach knapp zwei Stunden, nicht das getan hätte, was er immer tut: Seinen Fans zum Abschied mit „All Night Long” ein Versprechen fürs nächste Konzert mit auf den Weg zu geben.