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Aachen: Passion Christi: „Man kann sich diesen Kinofilm wirklich zumuten”

Aachen : Passion Christi: „Man kann sich diesen Kinofilm wirklich zumuten”

Die Diskussion über Mel Gibsons Film „Die Passion Christi” hält an - Werbung ohne Ende für einen Streifen, der in den USA-Charts auch in der dritten Woche noch an der Spitze der Charts steht.

Am Donnerstag kommt das Werk in die deutschen Kinos, und Hans Hermann Henrix, Direktor der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen und zugleich Berater der Deutschen Bischofskonferenz in Fragen des Judentums, sieht das sehr gelassen.

„Mel Gibson, und seine Sprache ist die konkrete, harte Anschaulichkeit”, sagt er. Darin liege eine Schwäche des Films.

Überrascht war Henrix, der den Film bei des Pressevorführung in Köln sehen konnte, von einer Tatsache, die bisher kaum erwähnt wurde: „Es gibt durchaus leise Töne und Motive.”

Trotz drastischer Szenen werde man dem Film nicht gerecht, wenn man ihm das Etikett „brutal-blutig” anhänge. Für Henrix war es „ein Erlebnis mit Vorbehalt”. Die harten Auseinandersetzungen zum Film hat er aufmerksam verfolgt.

„Ich fragte mich schließlich: Wird hier der Film diskutiert oder der Filmemacher?” Er sieht zwei Erlebnis-Ebenen: die Darstellung eines geschichtlichen Geschehens in heutiger Sprache und die ruhigeren nachdenklichen Szenen, etwa im Blick auf die Frauen um Jesus.

„Das habe ich ein Stück weit als das geheime Zentrum des Filmes erlebt. Natürlich arbeitet Gibson mit Sentiment, aber ich glaube nicht, dass er sentimental ist.” Hier stelle sich ein schöpferischer Zug ein. „Gibson wählt Motive aus der traditionellen Ikonographie.”

Ist „Die Passion Christi” für ihn antisemitisch gefärbt? „Ich habe den Film unter diesem Aspekt sehr aufmerksam angesehen”, versichert Henrix.

„Hier gibt es in der Wirkung noch mal eine neue Situation: Der Film kann durchaus antisemitisch kippen. Wenn der Betrachter antijüdisch eingestellt ist, findet er Material für seine Judenfeindschaft.”

Und doch - wenn man genauer hinschaue - werde dieser Umstand problematisiert. „Es ist die römische Soldateska, die diese Grausamkeiten ausübt.”

Mit der Figur des Simon von Cyrene, der von den Soldaten gezwungen wird, Jesus zu helfen und der es schließlich sogar wagt, gegen den Sadismus der Peiniger offen zu protestieren, habe er eine wichtige Figur betont.

Der Jude Simon stehe auf der Seite des Juden Jesus. Da falle es schwer, dem Film einen plakativen Antisemitismusvorwurf zu machen.

Das größte Probleme sieht Henrix in der Tatsache, der reduzierten „Story”. „Eine fatale Verschiebung tritt ein, weil Gibson lediglich die letzten zwölf Stunden thematisiert. Es wird nicht deutlich, warum es zu dieser Verurteilung kommt. Das schiebt die Ursache dem Treiben des Hohen Rates zu. Das ist eine fatale Verschiebung.”

Zum Schluss bei der Auferstehung eines bildschönen, gereinigten Christus rutsche der Film für ihn komplett in den Kitsch ab. „Aber man kann ihn sich ruhig zumuten.”

Szenen aus dem Film