Düsseldorf: „Parallelprozesse”: Beuys-Schau in Düsseldorf

Düsseldorf: „Parallelprozesse”: Beuys-Schau in Düsseldorf

Unter dem Titel „Parallelprozesse” wird die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im kommenden Jahr eine umfangreiche Werkschau des Künstlers Joseph Beuys in Düsseldorf zeigen.

Die Ausstellung will die scheinbar so unterschiedlichen Facetten im Lebenswerk von Beuys (1921-1986) in ihren Wechselwirkungen zeigen, kündigte die neue Leiterin der NRW-Landesgalerie, Marion Ackermann, am Dienstag an. Im Mittelpunkt sollen zehn große Installationen des Düsseldorfer Kunstprofessors stehen, der „zum Geburtshelfer folgenreicher künstlerischer Ausdrucksformen geworden ist.”

Schauplatz vom 11. September 2010 bis 16. Januar 2011 ist die gründlich renovierte und erweiterte Kunstsammlung, die am Düsseldorfer Grabbeplatz am 10. Juli 2010 wiedereröffnet wird. Durch die Erweiterung des 1986 eröffneten Hauses sollen dann statt bisher rund 3000 Quadratmetern insgesamt mehr als 7000 Quadratmeter für den Kunstbesitz des Landes zur Verfügung stehen.

Schon jetzt seien für „Parallelprozesse” sieben bedeutende Beuys- Installationen wie „Zeige Deine Wunde”, „Straßenbahnhaltestelle” oder „Honigpumpe am Arbeitsplatz” fest zugesagt, sagte Ackermann, die nach ihrer Tätigkeit am Stuttgarter Kunstmuseum das Düsseldorfer Haus seit Dienstag leitet. „Wir sind bescheidener als die Berliner”, betonte die Museumschefin mit Blick auf eine vor wenigen Monaten dort gezeigte umfangreichere Beuys-Schau. Trotzdem sollen bei dem Kooperationsprojekt mit der Universität Jena die exemplarischen Werke den „ganzen Beuys” erklären.

Als Vorbereitung lädt die Kunstsammlung in ihren jüngsten Standort im Haus der ehemaligen legendären Düsseldorfer Galerie Schmela, wo ab November eine Gesprächsreihe „Beuys ausstellen?” geplant sei. Die neue Hausherrin trat Vermutungen entgegen, dort auf Dauer ein neues Beuys-Domizil einrichten zu wollen. „Wir haben keine Ambition, Konkurrenz aufzubauen”, sagte sie vor dem Hintergrund der kulturpolitischen Dauerkrise um das Beuys-Museum Schloss Moyland am Niederrhein.

Insgesamt solle sich unter ihrer Leitung „Gegenwartskunst stärker als bisher im Sammlungsprofil niederschlagen”, kündigte Ackermann an, die künftig über einen erhöhten Ankaufsetat von zwei Millionen Euro verfügen kann. Unter anderem sei an eine Präsentation von Künstlerräumen etwa von Broodthaers, Knoebel oder Boltanski in der Dependance im Ständehaus gedacht. Das neu eröffnete Stammhaus werde 2011 eine Ausstellung des Düsseldorfer Fotokünstlers Thomas Struth zeigen.

Sowohl als Ausstellungs-Kuratoren wie als Kunstvermittler wolle sie stärker auf die Mitarbeit von Künstlern setzen, sagte die Museumschefin. Dank finanzieller Hilfe aus Berlin hätten zwei Provenienzforscherinnen eingestellt werden können, die bei drei vermuteten Fällen nachforschen sollen, ob die Kunstwerke als NS-Raub aus ehemals jüdischen Sammlungen stammen.