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Bonn/Münster: Osterbräuche haben im Rheinland und in Westfalen eine lange Tradition

Bonn/Münster : Osterbräuche haben im Rheinland und in Westfalen eine lange Tradition

Mal wird es „getitscht”, mal „geschibbelt”, mal geschossen: Das Osterei spielt am Wochenende in zahlreichen Familien und Vereinen zwischen Rhein und Weser wieder eine besondere Rolle.

„Schon mindestens seit dem 17. Jahrhundert wird an den Osterfeiertagen mit Eiern gespielt”, berichtet der Volkskundler Alois Döring vom Amt für rheinische Landeskunde in Bonn. Einige der Bräuche seien bis heute erhalten geblieben.

„Dass das Osterei eine so wichtige Rolle spielt, hat allein schon damit zu tun, dass es zu Ostern immer viele Eier gab”, erläutert Döring. Schließlich habe die katholische Kirche den Menschen verboten, während der Fastenzeit Eier und Eierspeisen zu essen, obwohl gerade diese Zeit als gute Legezeit der Hühner gelte. Dadurch hätten sich über Wochen große Mengen von Eiern angesammelt, die erst an Ostern gegessen werden durften.

Und das geschah dann mit Begeisterung, wie die Volkskundlerin Christiane Cantauw vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster zu berichten weiß: „Noch in den 1950er Jahren brüsteten sich vor allem Männer damit, wie viele Eier sie am Ostersonntag gegessen hatten. Manch einer soll es auf über 20 Stück gebracht haben.”

Das Eierverschenken könnte auf einen Jahrhunderte alten Brauch zurückgehen, nach dem Kirchendiener und Lehrer ihr Einkommen mit Naturalabgaben aufbesserten. „So wird um 1800 aus dem Bergischen Land berichtet, dass der Lehrer jährlich zur Fastenzeit einen Rundgang im Schulbezirk unternahm und Eier und Fleisch sammelte”, sagt Döring. Die Naturalien seien fester Bestandteil seines Gehalts gewesen.

Auch aus anderen Zusammenhängen sei das Eierverschenken zu Ostern bekannt, sagt Döring. So habe das Ei seit dem 19. Jahrhundert als Liebesgabe unter jungen Leuten gegolten. „Unverheiratete Mädchen teilten den Junggesellen über die Zahl der geschenkten Eier den Grad ihrer Zuneigung mit. Zwei Eier galten als Schand, drei als Anerkennung, vier als Ehre, fünf Eier brachten eine Liebschaft und sechs schließlich die Heirat”, erläutert der Volkskundler.

Doch nicht nur dem Osterei, auch dem Osterhasen fällt inzwischen eine wichtige Rolle an den Festtagen zu. Seine Herkunft jedoch ist bis heute nicht geklärt. „Manche Wissenschaftler glauben, er sei aus einem missglückten Osterlamm entstanden”, sagt Cantauw. Danach soll es einem Bäcker nicht gelungen sein, aus einem Teig ein unverkennbares Osterlamm zu formen, vielmehr seien die Ohren zu lang geraten. Deshalb sei das angebliche Lamm für einen Hasen gehalten worden.

Döring hält den Osterhasen hingegen für eine evangelische Erfindung. „Die frühesten Belege zum Osterhasen gehen auf protestantische Autoren des 17. Jahrhunderts zurück”, sagt der Volkskundler. Zu der Zeit sei es in evangelischen Familien üblich geworden, die Ostereier durch einen angeblich Unbekannten verstecken zu lassen, um zu verschleiern, dass die Ostereier auf die katholischen Fastenvorschriften zurückgingen.

Bis sich der Osterhase auch im ländlichen Rheinland als Gabenüberbringer durchsetzte, vergingen jedoch noch einmal rund drei Jahrhunderte. „Noch in den 1930er Jahren hat der Hase durchaus Konkurrenz gehabt”, sagt Cantauw. Damals habe eine Umfrage ergeben, dass neben dem Hasen auch der Fuchs, der Kranich und der Hahn für die versteckten Ostereier verantwortlich gemacht wurden.