1. Kultur

Aachen: Oskar und der Hurrikan namens Angie

Aachen : Oskar und der Hurrikan namens Angie

Rhetorisch war der Kandidat in Hochform. „Ein Hurrikan namens Angie nähert sich Berlin”, donnert Oskar Lafontaine am Dienstag Abend auf dem Aachener Markt, „und er droht Deutschland zu zerstören.” 800 Zuhörer feiern ihn mit „Oskar, Oskar”-Rufen. Der Saarländer weiß, was die Leute hören wollen, und er bietet es ihnen.

Rhetorisch brillant, kraftvoll und kämpferisch wie in besten (SPD-)Zeiten zieht der einstige Brandt-Enkel gegen seinen sozialdemokratischen Mit-Enkel Schröder (den er nicht erwähnt), dessen „falsche Politik” und die Berliner Allparteienkoaltion vom Leder. Die „Umverteilung von oben nach unten”, damit müsse Schluss sein. „Wir müssen den Spieß jetzt umdrehen, liebe Freunde.”

Stück für Stück knöpft sich der 61-Jährige vor, was „die anderen” an „falscher Politik” machen. Höhere Mehrwertsteuer? „Das Falscheste, was man machen kann.” Stagnierende Reallöhne? „Eine Wirtschaft kann nur blühen, wenn die Löhne wachsen.” Geringe Geburtenrate? „Das ist das Urteil der Menschen über die soziale Lage des Landes.”

Von der Unterstellung, mit rechten Vokabeln („Fremdarbeiter”) durchs Land zu ziehen, will Lafontaine nichts wissen. „Für die NPD sind die Lohndrücker die Menschen, die aus Osteuropa zu uns kommen. Für uns sind die Lohndrücker die Unternehmer, die diese Menschen ausbeuten.”