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Aachen: „Orsolino-Quintett”: Berliner Bär ist Pate

Aachen : „Orsolino-Quintett”: Berliner Bär ist Pate

In Berlin waren sie Studenten, heute leben und arbeiten sie bei großen Orchestern in ganz Deutschland und Österreich.

Als sich die fünf jungen Leute vom „Orsolino-Quintett” 1996 kennen lernten, sammelten sie als Teilnehmer der Orchesterakademie der Herbert-von-Karajan-Stiftung wichtige Erfahrungen - und das nicht nur in musikalischer Hinsicht.

„Wir spürten, dass uns etwas Besonderes verband”, erzählt Marion Reinhard. „Bei diesem gemeinsamen Projekt haben wir uns gut verstanden, und wir wurden mit der Zeit Freunde.”

Die Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs gastieren am kommenden Freitag, 9. Januar, 20 Uhr, im Rahmen der Reihe „Quintessence” im Krönungssaal des Aachener Rathauses.

Auf dem Programm stehen Werke von der Klassik bis zur Moderne. „Es ist gar nicht so leicht, als Bläserquintett gute Musikliteratur zu finden”, erzählt Marion Reinhard. „Es wurde viel mehr für Streicher komponiert. Wir haben eben keinen Brahms...”

Um so interessanter ist es für sie (Fagott), Anne Marckardt (Oboe), Jochen Tschabrun (Klarinette), Jan Wessely (Horn) und Walter Auer (Flöte) die Werke von Komponisten zu erarbeiten, die es noch zu entdecken gilt.

„Den zögerlichen Umgang mit den Blasinstrumenten kann man vielleicht auch durch ihre Unterschiedlichkeit erklären”, meint die Musikerin. „Es ist schon ein Unterschied, ob man vier Streicher hat oder Horn, Flöte und Oboe.”

Was sie als Ensemble zusammen hält? „Wir können einander kritisieren, weil wir uns so gut verstehen, das ist bei Kammermusik eine sehr sensible Sache.”

Und so verlassen sie ihre Pulte bei den Berliner Philharmonikern, beim Orchester von Südwest Rundfunk, Hessischem Rundfunk, Wiener Staatsoper und Gewandheus Leipzig, so oft es geht, um irgendwo von morgens bis abends zu üben und einander auszutauschen.

„Orsolino” - das italienische Wort für einen kleinen Bären - ist ihnen dabei eine lustige Erinnerung an Studentenzeiten. „Wir haben uns in Berlin kennen gelernt, also lag der Berliner Bär nahe.”

In Veranstaltungen wie dem ARD-Wettbewerb, bei dem sie einen zweiten und einen dritten Platz erlangen, sowie zuletzt als Sieger beim Deutschen Musikwettbewerb, der unter anderem eine Tournee mit 40 Konzerten erbrachte, erlangten sie nicht nur wichtigen Schliff: „Man lernt auch Musikmanager kennen. Solche Kontakte sind sehr wichtig. man sollte das als Veranstalter bedenken. Wo kann sich denn sonst der Nachwuchs vorstellen? Wir selbst suchen noch immer einen Manager.”

Nach Aachen kommt das Orsolino-Quintett mit ein paar außergewöhnlichen Werken. So schrieb der Romantiker August Klughardt ein „Quintett C-Dur” für Bläser. „Wunderbare Musik, die kaum ein Mensch kennt”, so Marion Reinhard.

Reizvoll und spritzig wird es bei György Ligeti, dem Gegenwartskomponisten, der seine ungarische Herkunft nicht verleugnet, ein Stück (eigentlich für Spieluhr) hat Beethoven komponiert, und auch Mozart dachten an die Bläser.

Bei Claude Paul Taffanel ist es nicht verwunderlich, dass er für Bläser komponierte: „Er selbst war Flötist in Frankreich. Und die Flöte ist bei seinen Kompositionen auch immer ein wenig vorn.”

Und Jacques Ibert? „Das ist so, als ob man an einem sonnigen Nachmittag in einem Pariser Café den Tag ausklingen lässt.”
Quintessence: Orsolino-Quintett, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs, Freitag, 9. Januar, 20 Uhr, Krönungssaal im Rathaus Aachen.

Werke von Mozart, Klughardt, Ligeti, Beethoven, Ibert und Taffanel.

Karten 0241/5101175.