Aachen: Orchesterkonzert der Aachener Bachtage mit eigenwilligem Programm

Aachen : Orchesterkonzert der Aachener Bachtage mit eigenwilligem Programm

Das Orchesterkonzert der 44. Aachener Bachtage war in der prall gefüllten Annakirche mit Werken von Johann Sebastian Bach bestückt, die es eigentlich gar nicht gibt: Das entspricht durchaus der Experimentierfreude, mit der Bach selbst Sätze aus verschiedenen Werken, auch anderer Komponisten, zu neuen Schöpfungen kombinierte.

Wenn der Aachener Solo-Oboist Stéphane Egeling, ohnehin ein ausgewiesener Kenner barocker Musik und Aufführungspraktiken, Sinfoniae und Arien aus diversen Kantaten und Oratorien eigenmächtig zusammenstellt und als „Oboenkonzerte“ deklariert, ist das an sich kein Frevel.

Ob sich Egeling freilich einen Gefallen damit getan hat, gleich einen ganzen Abend mit fünf solcher Konstrukte zu füllen, darf angezweifelt werden. Man hat zwar immer vermutet, dass die Cembalokonzerte BWV 1053 und BWV 1055 ursprünglich für Oboenin-strumente gedacht sein könnten, und viele der langsamen Sinfoniae aus seinen Kantaten hat Bach ohnehin für die Oboe geschrieben.

Allerdings wuchsen mit jedem Vortrag der fünf „Konzerte“ Bedenken in Hinsicht auf die tatsächliche Eignung für das Instrument, zumindest für die von Egeling verwendete Kopie einer Barockoboe in „tiefer französischer Stimmung“. Und erst recht, wenn man so virtuose Tempi anschlägt, dass eine saubere Gestaltung der melodischen Linien nicht mehr möglich ist und angesichts der spieltechnischen und klanglichen Probleme des Instruments der Ton in höheren Regionen sehr dünn und brüchig wirkt. Ein Ohrenschmaus klingt anders.

Und wenn Justus Thorau das mit 14 Musikern ohnehin stattlich besetzte Instrumentalensemble des Aachener Sinfonieorchesters so lasch auf dynamische Abstufungen einstimmt und einen viel zu dicken Klangteppich zulässt, findet sich auch der versierteste Solist immer wieder auf verlorenem Posten wieder.

Geradezu luxuriös war die Basso-continuo-Gruppe mit Hille Perl an der Gambe besetzt, die kurzfristig für ihre Nichte Sarah eingesprungen ist. Von ihr hätte man gern etwas mehr gehört. Aber Gambenkonzerte hat Bach ja leider nicht hinterlassen.

Der etwas einförmige Ablauf des Konzerts wurde durch die launige, aber nicht sehr informative Moderation von Justus Thorau aufgelockert, aber nicht wesentlich belebt.

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