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Köln: Opulenter „Abschied” auf Nummer Sicher: Phil Collins in Köln

Köln : Opulenter „Abschied” auf Nummer Sicher: Phil Collins in Köln

„This is just like summer in England (Das ist genauso wie der Sommer in England) - geht es Ihnen gut? Vergessen Sie den Regen - ich hoffe, dass meine Lieder Ihnen heute Abend viel Freude machen”, begrüßt Phil Collins am Samstagabend nach dem dritten Stück 45.000 Fans im ausverkauften Kölner RheinEnergie-Stadion.

Die haben den Regen längst vergessen, zumal sie mit Kapuzen, Schirmen und Planen bestens auf die Situation eingestellt sind.

Und Collins und seine Band - darunter die Ur-Wegbegleiter Leland Sklar (Bass), Daryl Stuermer (Gitarre) und Chester Thompson (Drums) - machen tatsächlich viel Freude, 135 Minuten und 23 Stücke lang.

Zuvor haben Mike & The Mechanics mit Sänger Paul Carrack der Menge 45 Minuten lang tüchtig eingeheizt - nicht als klassische Vorband, sondern als Gleiche unter Gleichen: Auch die Band des Genesis-Bassisten Mike Rutherford kann zahlreiche Hits vorweisen und ist zugleich ein Bindeglied zu Collins Vergangenheit.

Nicht ganz eindeutig

Mehr als ein Vierteljahrhundert war der heute 53-jährige Brite Teil von Genesis, erst als Schlagzeuger, dann als Sänger, ehe er 1996 endgültig ausstieg, um seine Solo-Karriere voranzutreiben.

Der zig-fache Millionär kann es sich erlauben, der Bühne adé zu sagen. Aber der Titel seiner Abschiedstournee - „First Final Farewell Tour 2004” - ist ja nicht ganz eindeutig...

Ob nun endgültig oder nicht - die Abschiedszeremonie im Stadion gerät opulent.

Teil dessen sind 15 Musiker, eine 100.000-Wattanlage, 100 so genannte Vari-Lights (Computer gesteuerte Scheinwerfer mit beweglichen Köpfen) und die Bühne, die 45 Meter breit, 18 Meter tief und 17 Meter hoch ist. Und last, but not least, Collins selbst.

Sein Programm erinnert sehr an die 1990er „Serious Hits...Live!”-Tour. Anfang („Something Happened On The Way To Heaven”) und Ende („Take Me Home”) sind identisch, viele der Hits dazwischen („One More Night”, „Another Day in Paradiese”, „You Cant Hurry Love”) auch.

Hier geht jemand auf Nummer Sicher. Dazu kommen Disney-Schmonzetten aus „Tarzan” und „Brother Bear”, Coverversionen wie „True Colours” von Cyndi Lauper und drei Stücke von der aktuellen Solo-CD „Testify”. Stücke von Genesis gibt es keine.

Collins, der Punkt 20.15 Uhr in anthrazitfarbenem Hemd und ebensolcher Hose die Bühne betritt, überlässt nichts dem Zufall.

Frenetischer Jubel begleitet sein Schlagzeug-Solo, Chester Thompson kommt wenig später dazu, dann der Percussionist - als Einstieg ist das ebenso klangewaltig wie furios.

„Against All Odds” verbreitet Gänsehaut, die ersten Wunderkerzen sprühen, das Saxofon-Solo macht die Stimmung perfekt. Bei „I Missed Again” erinnert eine alte Video-Einspielung an den Phil Collins, der 1981 mit „Face Value” seinen Solo-Ruhm begründete.

Himmels-Schauspiel

Die Lightshow ist ausgefeilt, kommt aber leider nicht so recht zum Tragen, weil es über weite Strecken des Konzerts viel zu hell ist.

Dafür scheint P.C. einen Deal mit Petrus gemacht zu haben: Der Himmel, mal milchig-weiß, mal düster-bewölkt oder sich zu leuchtendem Blau eröffnend, wirkt wie ein Teil der Regie.

Zu den schönsten Momenten gehört „Seperate Lives”, eine Ballade, die Collins im ergreifenden Duett mit einer der Sängerinnen bis zum Grund auslotet, „Sussudio” mit fetzigem Drive, Händeschütteln für die erste Reihe und Luftschlangenregen und - natürlich - „In the Air Tonight”.

Beim ersten Ton herrscht im Stadion eine Nadelfallstille - dann bricht der Jubel wie eine gewaltige Springflut über die Ränge und den Innenraum.

Dass die Karriere von Phil Collins nach mehr als drei Dekaden tatsächlich beendet sein soll, mag um 22.25 Uhr niemand glauben. „Take Me Home” ist komplett umarrangiert und mündet in ein nicht enden wollendes Echo, fast so, als wollte Collins damit sagen, dass er selbst lieber noch ein bisschen bleiben würde...