Aachen: Optimal bewältigt: Sinfoniekonzert mit Trompeter Simon Höfele

Aachen : Optimal bewältigt: Sinfoniekonzert mit Trompeter Simon Höfele

Ein schönes Programm zierte das 6. Sinfoniekonzert im gut besuchten Eurogress: Zwei Schlüsselwerke des russischen Repertoires umrahmten eins der bekannteren Werke Bernd Alois Zimmermanns, der in diesem Jahr 100 geworden wäre.

Sein Trompetenkonzert „Nobody knows de trouble I see“ (1955) erfreut sich bei Trompetern großer Beliebtheit. Nicht zuletzt diesem viertelstündigen Werk ist es zu verdanken, dass es Zimmermann auch außerhalb diverser Gedenktage im Konzertsaal zu Repertoireehren gebracht hat.

Der junge Trompeter Simon Höfele stammt aus der Schule Reinhold Friedrichs, der wesentlich zur Verbreitung des Werks beigetragen hat. Ein knapp gebautes einsätziges Stück, das typische Attribute der Zimmermannschen Ästhetik konzentriert vereinigt. Dazu gehört die collagenhafte Form mit unterschiedlichsten stilistischen Anleihen, auch aus dem Jazz, wobei die Melodie des Spirituals nur punktuell angedeutet wird. Wichtiger war Zimmermann der Bezug zum ethischen Gehalt des Songs. Empathie für die Leidenden der Welt durchzieht Zimmermanns gesamtes Schaffen.

Begeisterter Beifall

Der Trompete verlangt er ein stattliches Reservoir unterschiedlichster Spieltechniken ab, ohne sich in avantgardistischen Extremen zu verlieren. Die zarten, verhaltenen Klangmöglichkeiten des Instruments interessierten ihn stärker als schmetternde Kraftakte. Das verlangt dem Solisten eine sensible Artikulation ab, die auf einem Blechblasinstrument nur von Top-Profis umgesetzt werden kann. Dass Simon Höfele, der innerhalb kurzer Zeit an die Spitze der Solo-Trompeter aufsteigen konnte, alle Anforderungen optimal bewältigt, war zu erwarten. Entsprechend reichlich fiel auch der Beifall aus.

Justus Thorau und das Aachener Sinfonieorchester sekundierten aufmerksam und ließen sich von den stilistischen Schwierigkeiten nicht in Verlegenheit bringen. Das betrifft in gleichem Maß die sinfonischen Hauptwerke des Abends, Igor Strawinskys „Feuervogel“-Suite und mehr noch Peter Tschaikowskys wohl bestes Orchesterwerk, seine 6. und letzte Sinfonie.

Strawinskys „Feuervogel“ schillert in 1000 Farben, von denen das Publikum eine Menge zu hören bekam. Eine rundum gediegene Interpretation, auch wenn das heikle Zusammenspiel nicht in allen Takten optimal gelingen wollte und manche Klangfarbe ein wenig mehr Brillanz ausstrahlen könnte.

Tschaikowskys Hinweis auf den „Requiem“-Charakter seines Werks nahm Thorau sehr ernst. Getragene Tempi, lange Generalpausen, klangliche Üppigkeit und emotionale Intensität prägten die Interpretation, die ihre Wirkung nicht verfehlte. Abgesehen von unkontrolliert scheppernden dynamischen Höhepunkten und dem etwas preußisch stramm phrasierten Geschwindmarsch im Scherzo gefiel der Vortrag durch orchestrale Schönheit und bewegende Eindringlichkeit. Sowohl die Stimmungskontraste im ersten Satz, die Eleganz des Walzers im „Allegro con grazia“ als auch der resignierende Trauergestus im Schluss-Adagio kamen zu ihrem Recht. Begeisterter Beifall für alle Mitwirkenden.

Mehr von Aachener Nachrichten