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Lüttich: Operninszenierung in Lüttich: „Macbeth“ vorzüglich besetzt

Lüttich : Operninszenierung in Lüttich: „Macbeth“ vorzüglich besetzt

Der neue „Macbeth“ an der Lütticher Oper steht ganz im Zeichen von Leo Nucci, einem der zahlreichen Gesangsstars, die der Lütticher Oper seit der Intendanz von Stefano Mazzonis di Pralafera seit Jahren besonderen vokalen Glanz verleihen. Nucci gehört zu den besonders treuen Fans der Lütticher Oper, und Verdis „Macbeth“ war seine erste Rolle, die er hier gesungen hat.

Mit mittlerweile 76 Jahren erweist sich seine Stimme immer noch als konditionsstark, auch wenn nicht jede Gesangslinie so weich und nahtlos gelingt wie in früheren Jahren. Für die von Verdi ohnehin stärker auf charakteristische Prägnanz als auf makellose Schönheit ausgerichtete Partie lässt sich jedoch mit solch kleinen Defiziten gut leben.

Eine große Überraschung ist die junge Russin Tatiana Serjan als Lady Macbeth. Eine glutvolle, dunkel timbrierte Stimme mit einer geradezu explosiven dynamischen Sprengkraft. Sie übertönt mühelos und ohne unschöne Verzerrungen auch die heftigsten Orchesterattacken und kommt Verdis Ideal einer präganten Charakterdarstellerin erfreulich nah.

Mit der vorzüglichen Besetzung der beiden Hauptpartien ist eine „Macbeth“-Produktion in trockenen Tüchern. Wenn man dann noch über einen Banquo mit dem kraftvoll in tiefste Regionen reichenden Bass von Giacomo Prestia und einen kundigen Dirigenten mit so viel Gespür für dramatische Entwicklungen und psychologische Finessen wie Paolo Arrivabeni verfügt, ist der Erfolg gesichert.

Auch wenn die museal-konservative Inszenierung von Hausherr Stefano Mazzonis di Pralafera sicher nicht das Ideal einer zeitgemäßen Auseinandersetzung mit dem Stoff bietet: Das Publikum liebt den Intendanten für seinen etwas altmodischen Stil und dankt es ihm mit durchweg vollen Häusern. Zu sehen gibt es bei ihm ohnehin immer eine Menge — ob Hexenspuk, üppige Festtafeln oder ein wahres Kostümfest. Warum man ausgerechnet Leo Nucci so unvorteilhaft schminkte und kleidete, dass er, anders als ungeschminkt, wie ein uralter Greis wirkt, gehört zu den Ungereimtheiten der Produktion.

Zurückgegriffen wird übrigens auf Verdis spätere Bearbeitung des Stück für die Pariser Oper, die mit dem schlichten Tod Macbeths und damit ohne hoffnungsvolle Chor-Apotheose endet, dafür jedoch eine entgegenkommende ausgedehnte Ballett-Einlage enthält, die das Lütticher Publikum mit großem Beifall bedachte.

Die nächsten Aufführungen sind am 17., 20., 23. und 26. Juni.