Marcus Bosch erfolgreich in der Heimatstadt: Opernfestspiele mit Aachener Einflüssen

Marcus Bosch erfolgreich in der Heimatstadt : Opernfestspiele mit Aachener Einflüssen

Seit zehn Jahren leitet Marcus Bosch die Opernfestspiele seiner Heimatstadt Heidenheim an der Brenz, und in dieser Zeit hat er das längere Zeit vor sich hin dümpelnde Festival aus seinem Dämmerschlaf gerissen und zu einem interessanten Farbtupfer in der deutschen Festival-Landschaft aufwerten können.

Zwei Opern-Produktionen und ein reichhaltiges Konzert- und Beiprogramm können mittlerweile gestemmt werden.Tatkräftig gefördert von der Stadt Heidenheim und einem geschickten Sponsoring, wesentlich gestützt von den idealen Spielstätten, der malerischen Schlossruine Hellenthal mit ihrer Opern-Air-Bühne und einem Kongresszentrum. Dazu kommen zwei benachbarte Spielstätten mit gleichen Bühnenmaßen und jeweils etwa 900 Sitzplätzen, so dass Aufführungen bei schlechtem Wetter problemlos vom Schloss ins überdachte Haus verlegt werden können.

Auch wenn Boschs Zeiten als Aachens Generalmusikdirektor mittlerweile schon sieben Jahre zurückliegen, ist seine enge Verbindung zur Kaiserstadt selbst in Heidenheim noch zu spüren. Etwa durch die Mitwirkung von Marijn Simons, der neben seiner Aufgabe als Konzertmeister des Aachener Sinfonieorchesters vielfältig als Komponist und Dirigent tätig ist und auch in diesem Jahr zwei Aufführungen von Peter Tschaikowskis Oper „Pique Dame“ (am 13. und 17. Juli) leiten wird. Und Bosch, der nach seinem Abgang vom Nürnberger Staatstheater, abgesehen von vielen Gastspielen, bei der Norddeutschen Philharmonie Rostock und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz neue orchestrale Heimaten gefunden hat, fühlt sich besonders wohl mit seiner Professur für das Fach Dirigieren an der Hochschule für Musik und Theater in München.

Von seinen zehn Schülern haben fünf ansatzlos feste Engagements gefunden. Darunter auch die Koreanerin Yura Yang, die nach ihrem Engagement am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier in der kommenden Saison als erste Kapellmeisterin in der Geschichte des Theaters in Aachen wirken wird.

Auch Tobias Heyder, der Regisseur der diesjährigen Hauptproduktion, ist den Aachenern nicht unbekannt. Vor drei Jahren stellte er sich dem hiesigen Publikum mit einer diskussionswürdigen Inszenierung von Verdis „Macbeth“ vor. Gleich darauf leitete er Boschs Verdi-Zyklus in Heidenheim ein, in dem chronologisch vom „Oberto“ bis zum „Falstaff“ alle 33 Opern des Meisters gezeigt werden sollen. Die meisten als zweite Produktion in der Kongresshalle. In diesem Jahr ist der „Ernani“ am 18. und 20. Juli an der Reihe. 2020 allerdings wird Verdis monumentaler „Don Carlo“ als zentrale Produktion in der Schlossruine aufgeführt (ab dem 11. Juli 2020).

Intensive „Pique Dame“

Nicht abstellen lässt sich das Problem, dass die Spielfläche der Schlossruine nur über eine geringe Tiefe verfügt. Für Tschaikowskis „Pique Dame“ hat Regisseur Heyder zusammen mit der Bühnenbildnerin Britta Tönne eine einfache Lösung gefunden, indem er sich für den Hintergrund mit einer von sechs Türen durchbrochenen Mauerfront begnügt, die den Solisten und vor allem dem prächtigen Chor der Tschechischen Philharmonie Brünn viele Auftrittsmöglichkeiten erlaubt, so dass die Enge kaum spürbar wird.

Heyder inszeniert das derzeit hoch im Kurs stehende und in der nächsten Spielzeit auch in Aachen vorgesehene Stück geradlinig und intensiv, wobei er auf vordergründiges russisches Dekor ebenso verzichtet wie auf verkrampfte Aktualisierungen. Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls die Darstellung der alten Gräfin als frisch agierende rothaarige Hexe, die ein wenig eindimensional bösartig gezeichnet wird.

Bosch am Pult der Stuttgarter Philharmoniker schlägt recht robuste Töne an, die die Sänger bisweilen arg unter Druck setzen. Das betrifft vor allem Karina Flores als Lisa, die kurzfristig eingesprungen ist, sich der kräftezehrenden Partie mit beeindruckender Konditionsstärke stellt, aber ihre Stimme zu überfordern droht. Gelassener, aber nicht nachlässiger bewältigt der aus Bonn bekannte Tenor George Oniani die ebenso anspruchsvolle Rolle des Hermann. Zoltán Nagy als Graf Tomski sowie Tamara Gura und Michaela Maria Mayer (auch noch bekannt aus Aachen) setzen wie der überragende Brünner Chor zusätzliche Akzente.