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Aachen: Online Soccer: Fast wie aufm Platz

Aachen : Online Soccer: Fast wie aufm Platz

„Irgendwie sind wir die Nachfolger der Nationalelf, von Borussia Mönchengladbach, Bayern München und der Alemannia.” Frank Drews grinst.

Nun ja, all diese Mannschaften haben schon einmal auf dem Sportplatz im niederländischen Lemiers trainiert. Der 38-jährige Kaufmann ist Mitveranstalter eines Turniers, bei dem sich „Manager” von Fußballvereinen „aus aller Welt” dort kürzlich trafen - obwohl sich eigentlich nicht unbedingt treffen müssten. Sie sie alle leiten nämlich virtuelle Clubs beim Internet-Spiel „Online Soccer” (OS).

OS ist eine Art Mischung aus Turnier, Fernschach und Monopoly. Gestartet wurde es vor vier Jahren von Henning C. Roll, einem Programmierer aus Erkrath. Für Alemannia-Fan Drews ist das alles aber „kein Kinderspiel, sondern eine sehr komplexe Fußball-Managersimulation”. Die kann gratis gespielt werden und wurde auch schon von Hertha BSC gesponsert. Registrierte Mitspieler können bei OS den eigenen Club managen und pro Saison um Meistertitel ringen. Reales Vorbild ist das System der 240 Fußball-Ligen weltweit in 51 Ländern mit über 3000 Vereinen. Da deren Namen geschützt sind, heißen Teams wie Alemannia Aachen dann zum Beispiel „Germania Aachen”.

Gewisses Eigenleben

Drews selbst leitet „Piraty Samara”, ein „russischer” Club. Der 38-Jährige denkt sich wie alle Manager vor den Spielen Strategien aus und programmiert seine Spieler, die dann aber auch ein „gewissen Eigenleben” entfalten können. Dieses Vorspiel kann „fünf Minuten bis zwei Stunden” dauern, sagt Drews. Am Spieltag kämpfen die Kader virtuell gegeneinander. Ohne dass Manager noch eingreifen können, berechnet dabei ein Computer den Ablauf, benennt Sieger, schreibt einen Spielbericht und die Tabelle fort. Jeder Manager verfügt zudem über ein Spielgeldkonto, kann per E-Mail und im Chat mit seinen Kickern oder Trainern handeln, TV-Rechte, Zuschauerkarten und Werbung vermarkten.

Gespielt werden kann dieses Online Soccer nur in deutscher Sprache. Daher traten auch fast nur Manager aus Deutschland - etwa ein OS-Stammtisch aus Stuttgart namens „Spätzle Kickers” - in Lemiers gegeneinander an. Das dabei siegreiche „Team Gelbsucht” war übrigens einst ein Aachener Kader. Nun kickt aber auch Michele Stulz aus Wallis in der Schweiz hier.

Fast eine reine Männerwelt

OS ist fast eine reine Männerwelt. Doch auch Andrea Schmitt aus Essen war in Lemiers. Vater und Bruder sind OS-Manager - und ihren Verlobten Eugen Teisch hat sie bei einem OS-Treffen im Ruhrgebiet kennen gelernt. Die Friseurin und der Tischlerlehrling sind mit ihrem drei Monate alten Sohn Marco-Aleksander angereist. „Ohne OS”, sagt die 20-Jährige und zeigt auf ihr Baby und den Vater, der gerade auf dem richtigen Rasen einem richtigen Ball nachjagt, „gäbe es uns nicht.”

Noch mehr von der OS-Fangemeinde, vor allem aber Erläuterungen dieser recht komplexen Programmierwelt kann man auf 150 Seiten nachlesen in: „Aus jeder Lage. Das Offline Buch zum Online Soccer”, herausgegeben von Henning C. Roll, erschienen im Sascha Eysoldt Verlag Aachen.

Mehr dazu: www.online-soccer.de