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Köln: Nußbaumeders neues Stück „Mörder-Variationen” uraufgeführt

Köln : Nußbaumeders neues Stück „Mörder-Variationen” uraufgeführt

Christoph Nußbaumeders neues Stück „Mörder- Variationen” ist ein soziales Experiment. Der Dramatiker aus Bayern, der sich trotz seiner Jugend (Jahrgang 1978) schon einen Namen gemacht hat, nutzt das Theater als Labor.

Er untersucht Strukturen der Gewalt. Obwohl der Fünfakter stark abstrakte Züge hat, konnten Nußbaumeder und das Ensemble bei der Uraufführung am Samstagabend in der Schlosserei, der Studiobühne des Kölner Schauspiels, einhelligen, freundlichen, wenn auch enden wollenden Beifall verbuchen.

Das Bühnenbild (Thomas Dreissigacker und Christin Berg) ist übersichtlicher als ein Schachbrett: in der Mitte ein Weg, von Hecken begrenzt. Dahinter verbergen sich links „M 1”, rechts „M 2”. „M” steht für Mörder. Beide haben den Auftrag, einen alten, blinden Mann umzubringen.

Da das Opfer auf sich warten lässt, wird den beiden Killern die Zeit lang. Nach und nach verstoßen sie gegen jede Regel der Konspiration, reden miteinander, schauen sich sogar an, so dass einer den anderen wiedererkennen könnte. Mörder sind eben auch nur Menschen. Schließlich verpassen sie ihr Opfer, das sich langsam tappend seinen Weg sucht.

Da kommt M 3, erschießt den Alten und geht scharf mit seinen Kollegen ins Gericht. Im letzten, dem 5. Akt, enthüllt M 3 auch das Motiv der anonymen Auftraggeber: Sie fürchten den Alten, der nicht nur Frieden predigt, sondern auch für die Gleichheit streitet.

Nußbaumeder greift heftig den militanten Antikommunismus an. Schließlich folgen noch einige Kugelwechsel. Wer überlebt bleibt offen, aber die Quintessenz ist klar: wenn M 1 und M 2 sich nicht fremdbestimmen ließen, wenn sie ihrer gutartigen menschlichen Natur folgen würden, könnte das blutige Geschäft des Auftragsmords rasch überwunden werden - M 3 und die Drahtzieher hätten keine Chance.

Simon Eckert (M 1) und Aljoscha Stadelmann (M 2) lehnten ihre Figuren an Wladimir und Estragon aus Becketts „Warten auf Godot” an und versuchten ein Clownsspiel - doch der Humor kam nur selten über die Rampe. Die hundert Minuten Spielzeit verrannen zäh - und da es heiß war, die Mörder aber über winterliche Kälte klagen müssen, siegte immer wieder die unfreiwillige Komik.

Die Verantwortung für das Misslingen der Uraufführung trägt nicht nur der junge Regisseur, Florian Fiedler. „Mörder-Variationen” ist ein Auftragswerk der Kölner Bühnen, und Kölns neuer Intendantin. Karin Beier hätte unschwer erkennen können, dass ein so spröder Text eines erfahrenen Regisseurs bedarf, um den ihm innewohnenden absurden Humor herauszustellen.

Junger Dramatiker, junger Regisseur - diese Formel greift zu kurz. Beier hat nicht nur die Aufgabe, selbst interessante Inszenierungen anzubieten, sie ist darüber hinaus auch verantwortlich dafür, dass alle anderen Produktionen - zumal wenn es sich um eine Uraufführung und/oder eine Auftragsproduktion handelt - optimal besetzt werden.

Dieser Sorgfaltspflicht ist die Intendantin nicht nachgekommen; sie beschädigt den Ruf eines jungen, hoffnungsvollen Regisseurs, wenn sie ihn überfordert, und einen jungen Dramatiker, dessen Stück besser ist, als die Uraufführung ahnen lässt. Aufführungen sind am 13. und 31. Mai sowie am 1. und 7. Juni.

(Theaterkasse: 0221/22 12 84 00)