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Alsdorf/Herzogenrath: NRW hat offiziell 100.000 Spielsüchtige

Alsdorf/Herzogenrath : NRW hat offiziell 100.000 Spielsüchtige

Wie schlimm es um sie steht, merken viele Spielsüchtige erst, wenn auch das letzte Hemd verzockt ist. Das kann rasch passieren, denn die übertriebene Leidenschaft für Spielautomaten und Roulette-Tische geht ordentlich ins Geld.

„Der durchschnittliche Spielsüchtige hat um die 25.000 Euro Schulden”, sagt Horst, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte. Jeden Dienstagabend spricht er im Alsdorfer „Cafe Baustein” mit Betroffenen über die Sucht und die Wege, sie zu bekämpfen.

Derzeit ist das 7. Vernetzungstreffen der Spielergruppen in Nordrhein-Westfalen das zentrale Thema, das die Anonyme Spielerselbsthilfegruppe aus Alsdorf am Samstag, 20. November, ausrichtet. Rund hundert Betroffene und deren Angehörige werden um 9.30 Uhr zum Begrüßungskaffee im Herzogenrather Gemeindezentrum St. Gertrud, Schütz-von-Rode-Straße, erwartet. Anschließend beginnen Diskussionsforen, Vorträge und Arbeitsgruppen.

Kunst als Therapie ist ein Thema. Im Workshop „Kreatives Schreiben” etwa, spüren die Spielsüchtigen ihren Ängsten und den Ursachen für ihre verhängnisvolle Leidenschaft nach.

Erste Hürde ist die schwerste

Denn um den Geldgewinn geht es in der Regel nicht, wenn in der Spielhalle die Münzen zuhauf in die Automaten gesteckt werden. „Das ist immer eine Kompensation für etwas anderes”, nennt Horst. Wer dieses andere benennen kann, ist auf einem guten Weg. Doch die erste Hürde ist zugleich die schwerste.

„Viele wollen oder können sich nicht eingestehen, dass sie abhängig sind.” Ein sicheres Anzeichen für die Sucht ist der Kontrollverlust, wenn der Gang in die Spielhalle zum körperlichen Zwang wird. Der mit Alkoholismus durchaus vergleichbar ist. Schlafprobleme, Nervenzusammenbrüche und Essstörungen können Begleiterscheinungen der Spielsucht sein.

Doch im Gegensatz zum Alkoholismus findet kaum eine öffentliche Diskussion darum statt. „100.000 Spielsüchtige gibt es offiziell in NRW”, sagt Horst, der die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher einschätzt. Noch gibt es wenige Selbsthilfegruppen wie die Alsdorfer. In der Region sind Aachen und Düren die nächsten.

Offizielle Krankheit

„Die Spielsucht ist seit zwei Jahren zwar offiziell als Krankheit anerkannt”, sagt ein Mitglied der Gruppe, „aber viele nehmen das auf die leichte Schulter.” Dann kommen auch schon mal solche Ratschläge: Du bist spielsüchtig? Na, dann hör doch einfach auf zu spielen!

Deshalb wirbt das Vernetzungstreffen, bei dem Betroffene und Angehörige willkommen sind, auch für mehr Akzeptanz. Von 14 bis 17 Uhr ist die Kunstausstellung „SPIEgeLBILDER” für Jedermann geöffnet. Mehr Infos gibt es unter Telefon 02406/7702.

Infos im Internet: www.spielsucht.net