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Düsseldorf: Notfallseelsorger: Trauer um ermordetes Kind wird nie vergehen

Düsseldorf : Notfallseelsorger: Trauer um ermordetes Kind wird nie vergehen

Nach einem Gewaltverbrechen an einem Kind wie im Fall der ermordeten Hannah werden Angehörige nach Ansicht des Seelsorgers Joachim Müller-Lange immer trauern. „Wer sein Kind verliert, verliert seine Zukunft”, sagte er am Dienstag in Düsseldorf.

Wichtig sei eine Begleitung, die Familie, Freunde und Bekannte umfasse. Die überkonfessionell arbeitenden Notfallseelsorger der Kirchen seien für Hilfestellungen in solch extremen Situationen ausgebildet. Natürlich gebe es Fälle, in denen seelsorgerische Gesprächsangebote zunächst nicht angenommen würden. „Das ist ein absolut verständlicher Schutzmechanismus, um zunächst mit der Situation alleine fertig zu werden”, sagte Müller-Lange, Landespfarrer für Notfallseelsorge bei der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Auch Mitschüler sollten betreut werden. „In der Regel bietet man zunächst ein strukturiertes Gespräch mit der Klasse an.” Anschließend sollte es die Möglichkeit für individuelle Gespräche geben. „Wichtig ist, dass die Hilfen niedrigschwellig sind”, sagte der Pfarrer. „Es ist normal, wenn man an den verlorenen Menschen denkt, sein Bild vor Augen hat oder nicht schlafen kann.” Schwierig werde es, wenn es um den leer bleibenden Stuhl im Klassenzimmer gehe. „Wie geht man damit um? Auch darüber muss man reden.”

Müller-Lange sieht es als wichtig an, dass Seelsorger auch später noch für Gespräche mit Angehörigen und Freunden von Opfern da sind, zum Beispiel bei einem folgenden Gerichtsverfahren. „Das gesamte Leid wird dann wieder umgewälzt.”