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Amsterdam: Niederländische Polizei macht Jagd auf Raser

Amsterdam : Niederländische Polizei macht Jagd auf Raser

Das Schild an der Autobahn sieht so harmlos aus: „trajectcontrole”. Doch dahinter verbirgt sich die neueste Methode, mit der die holländische Polizei Raser fassen will - und zwar alle Raser.

„Diese Methode ist wasserdicht”, sagt Eric Stolwijk von der Generalstaatsanwaltschaft, die für die Kontrollen zuständig ist. „Jedes Auto, das hier vorbei fährt, wird damit erfasst, 24 Stunden am Tag.” Das Prinzip ist einfach und effektiv: Alle Fahrzeuge werden am Beginn des Kontrollabschnitts von Videokameras gefilmt und ein Computer liest und speichert die Nummernschilder. Nach etwa drei Kilometern folgt eine weitere „Videostation” und wieder werden alle Autos gefilmt. Anhand der Nummernschilder errechnet der Computer den zeitlichen Abstand zwischen den Aufnahmen und damit die durchschnittliche Geschwindigkeit jedes Autos. Ist die zu hoch, kommt das Knöllchen.

Kostenounkt: Eine halbe Million Euro

An der A 13 bei Rotterdam ist die „trajectcontrole” zwei Jahre lang erfolgreich getestet worden. „Die Zahl der Temposünder ist dort von 15 auf ein Prozent gesunken”, sagt Stolwijk, außerdem sei die Belastung durch Lärm und Schadstoffe erheblich zurück gegangen. Seit einigen Tagen gibt es nun auch Anlagen an der A4 bei Schiphol und an der A12 bei Utrecht. In den nächsten Jahren sollen noch 30 bis 40 weitere folgen, sie kosten jeweils etwa eine halbe Million Euro.

Die bekannten „Blitzer” können durch die Streckenkontrollen aber nicht komplett ersetzt werden. Diese funktionieren nämlich nur, wenn zwischen den Kontrollpunkten keine Ausfahrt oder Tankstelle ist. „Und weil in Holland jedes kleine Dorf eine eigene Abfahrt hat, sind die Möglichkeiten bei uns eher begrenzt”, sagt Stolwijk. Einziger Hinweis auf die Kontrollstrecke ist das besagte „trajectcontrole” - Schild, es steht etwa 50 Meter vor Beginn eines Mess-Abschnitts.

Zu Fahndungszwecken?

Bedenken wegen des Datenschutzes muss niemand haben, versichert Stolwijk: „Nach der Messung werden die Aufnahmen mit den korrekten Fahrern sofort vernichtet.” Trotzdem gibt es nach Angaben der Tageszeitung „Volkskrant” erste Überlegungen, die Bilder auch bei Fahndungen zu nutzen. Die Amsterdamer Polizei spiele angeblich schon mit dem Gedanken, den Autobahnring der Stadt mit „Kennzeichen-Erkennern” auszurüsten. Konkrete Pläne der Politik gibt es aber nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft nicht.