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Aachen: Niedecken und die WDR Big Band im Duett

Aachen : Niedecken und die WDR Big Band im Duett

Dass Köln nicht nur in gesellschaftlicher, sondern auch in musikalischer Hinsicht eine der weltoffensten Städte des Landes ist, beweisen Wolfgang Niedecken und Mike Herting mit dem gemeinsamen Projekt „Niedecken Köln”.

Den einen kennt man als Rockmusiker und Kopf von BAP, der andere zählt mit mehreren Jazz-Projekten, Filmmusiken und Arrangementarbeiten zu den Großen der Kölner Musikszene.

Aus seinem riesigen Fundus an BAP-Songs wählte Niedecken dreizehn Nummern aus, die von Herting für die WDR Big Band neu arrangiert wurden.

Das Resultat ist der Songzyklus „Niedecken Köln”, der Niedeckens sehr persönliche Wahrnehmungen seiner Heimatstadt in einen ungewöhnlich-spannenden musikalischen Kontext stellt.

Bevor Mike Herting und Wolfgang Niedecken zusammen mit rund 25 Solisten der WDR Big Band das Projekt am 27. Februar, 20 Uhr, im Aachener Eurogress live präsentieren, trafen wir die beiden Musiker zum Gespräch.

Was hat Sie zur Zusammenarbeit mit Mike Herting und der WDR Big Band bewogen?

Niedecken: Vor anderthalb Jahren sollte ich bei einer Bewerbungsveranstaltung für die olympischen Spiele an Rhein und Ruhr spielen. Wegen technischer Probleme verzögerte sich mein Auftritt, und die WDR Big Band, die nach mir spielen sollte, sprang spontan ein und begleitet mich beim Song „Für ne Moment”, der übrigens inzwischen auch das gemeinsame Album einleitet. Vom Resultat beeindruckt, fragte mich Lucas Schmid, der Produzent der WDR Big Band, anschließend, ob ich nicht Lust auf eine Zusammenarbeit hätte. Ein paar Monate später kam mir der Gedanke, dass es schön wäre, eine Art musikalisches Porträt von Köln zu zeichnen, das frei von rührseligen Klischees und Karneval, die Stadt so thematisiert, dass auch Heinrich Böll Spaß daran gefunden hätte.

Sie hatten als Rockmusiker keine Berührungsängste mit einem Jazzer wie Mike Herting?

Niedecken: Nein, denn wir kennen uns schon lange. Als BAP gerade am Anfang stand, hatte Mike eine Jazztruppe, die Headband hieß. Damals spielten beide Bands zusammen.

Herting: Heute ist auch die Kölner Musikszene nicht mehr so offen, wie sie es damals war. Aber ich empfinde Köln immer noch als die liberalste deutsche Stadt, was die Zusammenarbeit von Musikern verschiedenster Stilistiken angeht. Trotzdem wollte ich mit dem neuen Projekt erst mal nichts zu tun haben. Weil BAP in sich schon definiert ist, dass ich erst mal nicht wusste, wie ich die Songs in den Big-Band-Kontext bringen sollte.

Sie wollten also nicht dem aktuellen Trend folgen, nach dem viele Rock- oder Popmusiker ein Big-Band- oder Jazz-Album aufnehmen, weil es mit dem von Robbie Williams so gut funktioniert hatte?

Herting: Das war genau der Knackpunkt. Den wollten wir unbedingt vermeiden. Wäre die selbstgesetzte Vorgabe gewesen, Wolfgangs Texte in den Kontext von Jazz- oder Swing-Standards zu setzen, hätte ich an diesem Projekt nicht mitgearbeitet. Statt dessen haben Wolfgang und der BAP-Gitarrist Helmut Krumminga die Basis der Songs nur mit akustischer Gitarre und Stimme neu aufgenommen, was mir dann als Rohstoff für die Big-Band-Arrangements diente.

Wie empfinden Sie die teilweise schon älteren BAP-Songs in den neuen Arrangements von Mike Herting, die deutlich weniger nach Rockmusik, sondern mehr nach Jazz, teilweise sogar wie Soul klingen?

Niedecken: Ich habe teilweise einen Kloß im Hals gehabt, als ich die neuen Versionen alter Songs neu besungen habe. Aber wenn ich in einem Song wie „Für ne Moment” das vorher nicht vorhandene Trompetensolo höre, muss ich mich wirklich zusammenreißen, weil es auch mich doch ziemlich berührt.

Welche Musiker werden Sie beim Konzert im Aachener Eurogressbegleiten?

Niedecken: Es wird natürlich die WDR Big Band dabei sein, zu der rund zwei Dutzend Musiker gehören, die als Solisten allesamt erstklassige Musiker sind. Außerdem wird Helmut Krumminga, der BAP-Gitarrist, dabei sein und Renate Otta, die BAP schon ein paar Mal Ende der Achtzigerjahre begleitet hatte, wird als Background-Sängerin dabei sein.