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Aachen: Niedecken hat endlich sein Ziel erreicht

Aachen : Niedecken hat endlich sein Ziel erreicht

„Willkommen an diesem fast perfekten Sommerabend”, begrüßte Laith Al-Deen seine gut 4000 Zuschauer auf dem Aachener Katschhof.

Wolfgang Niedecken und seine zum Quartett geschrumpfte Truppe feierten ihren Einstand passend mit „Ne schöne Jrooß”.

Für seine Verhältnisse ungewöhnlich wortkarg reihte Niedecken die Höhepunkte aus 26 Jahren BAP mit viel Sinn für Dramaturgie aneinander. Gerade die entschlackten neuen Versionen älterer Songs präsentierte BAP so, wie Niedecken seine Band am liebsten immer gesehen hätte: als Lieferant für schnörkellose, energiegeladene Rockmusik.

Nach zig Umbesetzungen hat er sein Ziel endlich erreicht, was auf dem Katschhof besonders in den geradlinigen Versionen von „Alexandra, nit nur do”, „Diss Naach es alles drin” und „Kristallnaach” deutlich wurde. In alter BAP-Tradition hoben sich Niedecken und seine Musiker mit „Verdamp lang her” den größten Hit als Höhepunkt für die letzte Nummer ihres Programms auf.

Aber wer je ein BAP-Konzert besucht hat, weiß, dass Niedecken nie von der Bühne geht, ohne sich für die Zugaben noch ein paar Trümpfe aufgehoben zu haben. Auch die dritte BAP-Show im Rahmen des Aachener Mutig hatten die treuesten Anhänger von BAP massiven Regengüssen getrotzt, um einen der begehrten Plätze vor der Bühne ergattern zu können.

Mit den subtilen Reggae-Rhythmen seiner Eröffnungsnummer „Meilenweit” setzte der Deutsch- Iraker Al-Deen im Vorprogramm den ersten, heiß ersehnten Kontrapunkt zu den Wolkenbrüchen, die Aachen vorher für mehrere Stunden heimgesucht hatten. Mit bluesig-souligem Timbre feuerte der 32-jährige Karlsruher in seinem neunzigminütigen Programm eine Poprakete nach der anderen ab.

Wie gemacht für das Kultursommer-Open-Air erschienen Nummern wie „Kann es sein”, „Alles an dir” und „Höher”, allesamt Songs aus seinem aktuellen Album „Für Alle”, die live in deutlich rockigeren Arrangements präsentiert wurden. Als ob Al-Deen genug gegen den Regen angesungen hatte, hellte der Himmel zur sechsten Nummer „Viel davon” auf.

Während „Worauf wartest du?” und „Kleine Helden” senkte dann sogar die Sonne ihre Strahlen zaghaft auf den Katschhof. Dass man eine Aussage auch durchaus in einen luftig-lockeren Popkontext setzen kann, ohne peinlich zu wirken, bewies Al-Deen eindrucksvoll mit seinen Hits „Bilder von dir” und „Farbe deiner Stimme”. Nach „Noch lange nicht genug” machte der Mann mit der starken Bühnenpräsenz Platz für seine Kollegen von BAP.

Kultursommers bildete da keine Ausnahme. So bat Niedecken Laith Al-Deen im ersten Zugabenblock auf die Bühne zurück, um mit ihm und einer knalligen Version des Bowie-Hits „Heros” den außergewöhnlichsten Moment des Abends zu liefern

Wer nach „Like a rolling stone” und „Aff un zo” mit dem Ende des Konzerts gerechnet hat, wurde mit einer weiteren Zugabe überrascht. Nach 23 Songs beendete BAP schließlich das mit „Sonx für alle” treffend betitelte Konzert.

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