Aachen: Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Aachen: 2018 startet mit der „Ode an die Freude“

Aachen : Neujahrskonzert des Sinfonieorchesters Aachen: 2018 startet mit der „Ode an die Freude“

Unter all den Ritualen, mit denen die Menschen am Neujahrstag einander Glück, Zufriedenheit, Gesundheit, Erfolg und allerlei weitere Nettigkeiten wünschen, ist das Neujahrskonzert eines der angenehmeren. Nichts gegen die Fernsehansprachen funktionstragender Politiker, nichts (zumindest an dieser Stelle) gegen Böllerei und übermäßigen Alkoholgenuss — so ein Sinfoniekonzert in der guten Stube der Stadt hat etwas Gediegenes, Feierliches und Unterhaltendes zugleich.

In Aachen ist das so wie andernorts, hier agiert das Sinfonieorchester Aachen im Eurogress, die Stadt beschenkt zudem verdiente Ehrenamtler mit einer Einladung, auch in diesem Jahr ist die Stimmung heiter bis festlich.

Dabei stehen diesmal nicht die üblichen Verdächtigen auf den Programmzetteln, als da wären die Sträuße aller Generationen sowie ihre Freunde im Geiste der leichten Muse, diesmal schaut hier Ludwig van Beethoven ernst und blond gelockt drein. Es gibt: die „Neunte“. Die gilt bei solchen Anlässen als gute, ernste, gediegene Wahl vor allem wegen ihres letzten Satzes, der Schillers „Ode an die Freude“ mit Chor, Solisten und orchestralem Tschingderassabum zu einer Art Apotheose der klassisch abendländischen Kultur stilisiert. In geradezu unerhörten Formen und Tönen übrigens, die 1824 die Musikgeschichte gewissermaßen in die Luft sprengte. Das sei aber nur am Rande erwähnt, denn heutzutage gilt die „Neunte“ als Inbegriff der (künstlerischen) Freiheit.

Sicher durch die Klippen

Das Sinfonieorchester Aachen erweist sich dieser großen Herausforderung gegenüber als zumindest ausgeschlafen und unbeeindruckt von Silvestergelagen. Justus Thorau wählt für die drei Sätze vorm großen Finale fließende Tempi, leitet sein großes Ensemble sicher durch die immer tückischer werdenden Klippen der Partitur, die Übergänge, Brüche en masse aufweist. Schön gelingen die Stimmungswechsel im Scherzo, hier zeichnen sich Fagotte, Klarinetten, Oboen als quick und hellwach aus, hier dürfen auch die Posaunen ihr Gold einschmelzen. Das Adagio fällt dann aber doch ein bisschen auseinander.

Zur „Ode“ ist dann aber wieder alles picobello: Opern- und Sinfonischer Chor stürmen beherzt die „Freude, schöner Götterfunken“-Passagen, nur selten klirren die Soprane, hier wird mit Emphase und Können musiziert. Hrólfur Saemundsson hatte da schon seine Intervention „O Freunde, nicht diese Töne!“ in den Saal posaunt, das weitere Solistenquartett mit Irina Popova, Marion Eckstein und Steven Ebel gibt sein Bestes.

Die geneigten Zuhörer dürfen sich an einer spektakulär eingesetzten Bassklarinette ergötzen und erkennen, warum neben dem omnipräsenten Paukisten drei weitere Herren im Frack auf der Bühne sitzen: Nach knapp 60 Minuten schlägt nämlich die Minute des Triangel-, Becken- und Große-Trommel-Spielers. Ja, so kunstvoll unerhört, handwerklich gediegen ausgeführt, und mit 70 Minuten dann doch erfreulich kurzweilig darf das neue Jahr beginnen. Großer Beifall.

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