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Düsseldorf: Neues Rauschmittel boomt in Grauzone: Polizei gegen „Spice” machtlos

Düsseldorf : Neues Rauschmittel boomt in Grauzone: Polizei gegen „Spice” machtlos

Es ist eine neue Modedroge unter Schülern und theoretisch sogar ganz legal an Zehnjährige zu verkaufen: „Spice”. Ähnlich wie Tee sehen die berauschenden Kräuter aus, die bei jungen Leuten so begehrt sind, dass sie in einschlägigen Läden für Kiffer-Zubehör („Headshops”) meist ausverkauft sind.

Die Substanz umnebelt die Sinne des Konsumenten, macht ihn müde und sorglos. Umso mehr sind Polizei, Drogenberater und Eltern in Sorge - können aber nichts tun.

Denn „Spice” ist eine Kräutermischung und nach der Definition des Betäubungsmittelgesetzes keine Droge. „Wir können einen Missbrauch erst erfassen, wenn er strafrechtlich relevant ist”, erklärt die Sprecherin des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes, Michaela Haeyer, in Düsseldorf. Daher kann das Gemisch legal und sogar von Kindern und Jugendlichen erworben werden, auch wenn viele Ladenbesitzer darauf verweisen, nur Erwachsene zu bedienen.

Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Drogenhilfe, Joachim Alxnat, erklärt sich den Reiz der neuen Droge für die Jugendlichen so: „Es ist eine günstige Droge, die sich jeder Schüler mit dem Taschengeld finanzieren kann.” Drei Gramm kosten etwa 30 Euro. Doch die Folgen des Konsums von „Spice” kann noch niemand absehen, warnt der Drogenexperte Michael Weisner von der Drogenhilfe Köln: „Niemand weiß, was genau in der Mischung enthalten ist und wie sich die Droge auswirkt.”

Selbst den Toxikologen des Giftinformationszentrums in Bonn ist die Zusammensetzung noch ein Rätsel. Denn: Getrennt sind die einzelnen Komponenten der Drogen, unter anderem Helmkraut, blauer Lotus und Meeresbohne, nicht berauschend. Erst gemischt und geraucht rufen die Kräuter in einem bestimmten Misch-Verhältnis berauschende Wirkung hervor. Auch was die strafrechtlichen Folgen - etwa bei Autounfällen unter „Spice” - angeht, halten sich Experten bedeckt.

Die Stärke der Droge ist wohl von ihrer Mischung abhängig. Das hat Drogenberater Weisner im Gespräch mit Jugendlichen erfahren, die „Spice” geraucht haben: „Die einen sagen, es wirkt berauschend wie die Droge Cannabis, die anderen merken gar nichts.” Mögliche Folgeschäden des „Spice”-Konsums sind laut Weisner sowieso noch nicht absehbar. Immer mehr besorgte Eltern rufen den Drogenberater an. „Diese finden Spice bei ihren Kindern und wollen wissen, was das ist.” Bis vor kurzem wusste auch er nicht, was unter dem Begriff „Spice” zu verstehen ist. Das englische Wort für „Gewürz” ist neben einem großen Auge auf den kleinen Tüten mit dem Verschnitt aufgedruckt. „Die Drogenszene ist uns immer einen Schritt voraus.”

In England tauchte das Gemisch vor zwei Jahren erstmals auf, erinnert sich Headshop-Betreiber Thomas Morczynek. Er bietet „Spice” seit rund einem Jahr in seinem Laden in der Düsseldorfer Altstadt an. Aber die Nachfrage nach „Spice” sei erst in den vergangenen Wochen dramatisch gewachsen. „Plötzlich will jeder Spice haben. 18-Jährige und 55-Jährige gleichermaßen”, sagt Morczynek. Derzeit ist das Produkt in seinem Laden ausverkauft. „Ich kenne in Düsseldorf vier weitere Verkaufsstellen. Auch dort ist nichts mehr zu haben”, sagt der „Fachhändler” Morczynek. Andere Händler berichten sogar von Wartelisten für „Spice”-Kunden.

Jedoch selbst die Besitzer von Fachgeschäften warnen davor, dass der Konsum der legalen Droge nicht einschätzbare Risiken birgt: „Das ist ein Teufelszeug”, erklärt Axel Plüschke, Besitzer eines anderen Headshops in der Düsseldorfer Altstadt. Er verkauft „Spice” daher auch nicht. „Ich gehe davon aus, dass der Gesetzgeber das auch schnellstens verbieten wird. Das ist gefährlich”, sagt Plüschke.