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Neues Dekanat setzt auf Diplomatie

Neues Dekanat setzt auf Diplomatie

Aachen (an-o) - Keine Überraschung mehr war, dass Professor Rudolf Lütticken gestern einstimmig zum neuen Dekan der Medizinischen Fakultät der RWTH gewählt wurde. Gedrängt hatte es keinen in dieses zurzeit sehr heikle Amt.

"Um diesen Job wird sich im Moment wohl niemand reißen", sagte Rudolf Lütticken Ende Mai auf die Frage, wer denn überhaupt noch infrage käme als Dekan der Medizinischen Fakultät. Da waren innerhalb weniger Tage der Dekan, Wolfgang Dott, und ein Prodekan, Gerhard Jakse, zurückgetreten.

Sie hatten damit demonstrativ die Konsequenz gezogen "aus der Art und Weise, wie sich der Vorstand des Universitätsklinikums über die Belange der Lehre und Forschung hinwegsetzt", so die TH-Leitung am 21. Mai. Tags zuvor war diese und das Dekanat in der Aufsichtsratssitzung des Klinikums mit dem Vorhaben gescheitert, das Konzept des Klinikum-Vorstands zur Umgestaltung des Klinikums zu verhindern. Dem voraus gegangen waren Monate lange, zum Teil heftige Kommunikationsstörungen zwischen den Dekanen und TH-Rektorat auf der einen und dem Ärztlichen und Kaufmännischen Direktor des Klinikums, Henning Saß und Detlev Klimpe, auf der anderen Seite.

Seit gestern ist Rudolf Lütticken selber Dekan der Fakultät. "Man hat den Job an mich heran getragen", sagt der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie nun auf die gleiche Frage. Lütticken war erst seit Februar dieses Jahres Prodekan für Struktur und Entwicklung.

Wie gut schätzt er die Chancen ein, sich besser mit dem Klinikums-Vorstand verständigen zu können als sein Vorgänger? "Man kann mit Diplomatie Interessen durchsetzen. Ich werde es versuchen und hoffe auf Entgegenkommen." Man müsse aber schon etwas skeptisch sein.

Gesunde Skepsis

Ob die Wogen denn erst einmal geglättet sind? "Das ist schwierig zu sagen." Es sind wohl solche Eigenschaften, positiv, aber auch distanziert an diese Aufgabe heran zu gehen, die seine Professoren-Kollegen glauben lassen, dass Lütticken der Richtige ist. Und vielleicht sogar ein Glücksfall sein könnte in der schwierigen Lage des Aachener Universitätsklinikums und seiner Verbindung zur Hochschule. Mit 61 Jahren und einiger Erfahrung in verschiedenen Management-Funktionen des Klinikums bringt er die nötige Gelassenheit mit - zumal man sich in diesem Alter nicht mehr um die eigene wissenschaftliche Karriere kümmern muss.

Das Dekanats-Team

Während Professor Lütticken die ab Wintersemester umzusetzende Reform des Medizinstudiums "auf gutem Weg sieht", ist ihm klar, dass die sich über Jahre ziehende Umstrukturierung des Klinikums "das schwierigste Feld" ist. Lütticken erwartet noch größere Sparzwänge aus Düsseldorf, als bisher bekannt sind. Das Uniklinikum Aachen habe eine gute Überlebenschance. Aber nur, "wenn wir eine gute Lehre und Forschung betreiben". Daran wird Professor Lütticken im Vorstand des Klinikums, dem er satzungsgemäß angehört, sicherlich dauernd erinnern.

Lütticken, dafür ist er bekannt, legt Wert darauf, das Dekanat als Team zu sehen. Neuer Prodekan für Struktur und Entwicklung ist Prof. Rüdiger Autschbach (47); für Studium und Lehre zuständig ist Prof. Ralf-Dieter Hilgers (43), für Forschung Prof. Jürgen Floege (43). Ständiger Vertreter des Dekans bleibt sein Vorvorgänger Prof. Friedrich Lampert (58).