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Kölner Schauspiel : Neuer Intendant sieht sich als „Allrounder“

Kölner Schauspiel : Neuer Intendant sieht sich als „Allrounder“

Carl Philip von Maldeghem: Mit diesem Namen an der Spitze des Schauspiel Köln hatte nun wirklich niemand gerechnet. Seine frische, unkonventionelle Vorstellung hätte sie überzeugt, spendete Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker Vorschusslob für den designierten Intendanten des Kölner Stadttheaters.

Von Maldeghem leitet seit 2009 das Salzburger Landestheater, ein Drei-Sparten-Haus mit rund 400 Vorstellungen pro Spielzeit, und führt auch selbst Regie.

In Köln wird er ab Sommer 2021 die Intendanz übernehmen, sein Vertrag läuft über fünf Jahre, die Vorbereitungszeit ausgenommen. Eine Garantieklausel auf eine bestimmte Anzahl an Spielzeiten am neu eröffneten Offenbachplatz – wie sie der Vorgänger Stefan Bachmann ausgehandelt hatte – sei nicht im Vertrag enthalten, bestätigte Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach.

Was der 49-jährige promovierte Jurist auf der Pressekonferenz selbst zu seiner Vision des Kölner Stadttheaters zu sagen hatte, wirkte indes eher konventionell und unverbindlich. Er wolle ein Theater das modern, sinnlich und lebendig sei, sagte von Maldeghem. Er wolle die Herzen der Menschen erreichen und nicht dem Elfenbeinturm verhaftet sein.

Das immerhin sind keine leeren Worte: An seinen bisherigen Wirkungsstätten als Intendant, den Schauspielbühnen Stuttgart und dem Salzburger Landestheater konnte von Maldeghem die Abonnenten und Besucherzahlen jeweils deutlich steigern. Die Salzburger Bühne konnte nach fünf Spielzeiten unter seiner Leitung ein Zuschauerplus von 65 Prozent verzeichnen. Im Juni 2017 hatte von Maldeghem seinen Vertrag bis 2024 verlängert. Die örtliche Politik zeigte sich damals hocherfreut über seine Arbeit.

Carl Philip von Maldeghem wurde 1969 in Prien am Chiemsee geboren, nach der Promotion in Rechtsphilosophie studierte er in New York Schauspiel und Regie, arbeitete für das American Repertory Theatre in Cambridge. „Das war ein Theater, dass sich seines Publikums im Großraum Boston sehr bewusst war“, erinnert sich der Intendant. Ein Vorbild, bis heute. Zurück in Europa war von Maldeghem als Pressesprecher und persönlicher Referent des Intendanten Gerard Mortier bei den Salzburger Festspielen tätig, arbeitete als Regieassistent und Produktionsleiter bei Peter Stein. Im Herbst 2002 übernahm er die Intendanz der Schauspielbühnen in Stuttgart, der leichten Alternative zum Staatstheater Stuttgart. Im Sommer 2009 wechselte von Maldeghem dann ans Salzburger Landestheater.

Sein Theaterbegriff sei unter anderem von Max Reinhardt (1873-1943) geprägt. Der österreichische Meisterregisseur hatte einst dem damals vorherrschenden Naturalismus ein festliches, opulentes und massenfreundliches Theater entgegengesetzt. In Köln wolle er „die Positionen der Klassiker überprüfen“ und „neue Stoffe für die Bühne entwickeln“. Vor allem aber, führte von Maldeghem aus, stelle er sich ein „Theater der Teilhabe“ vor, ein generationenübergreifendes Theater, in dem sich auch junge Menschen wiederfinden könnten. Unter anderem will er eine Bürgerbühne einrichten.

Er wisse selbst, dass er kein Regisseur von Burgtheater-Kaliber sei (Karin Beier und Stefan Bachmann haben vor ihrer Kölner Intendanz beide regelmäßig an der Wiener Burg inszeniert), antwortet von Maldeghem auf die Feststellung einer Journalistin, dass er als Name doch eher aus der zweiten Reihe komme. Er sehe sich eher als Allrounder: „Meine Regiehandschrift muss nicht die dominante in Köln sein.“