Essen: Neue Ruhrtriennale-Chefin erkundet die „Zwischenzeit“

Essen : Neue Ruhrtriennale-Chefin erkundet die „Zwischenzeit“

Zum ersten Mal in ihrer 16-jährigen Geschichte wird die Ruhrtriennale in den nächsten drei Jahren von einer Frau geleitet, und zwar von der versierten Theaterdramaturgin und Intendantin Stefanie Carp. Als „Artiste associé“ wird sie das Fest zusammen mit Regisseur Christoph Marthaler gestalten. Beide verbindet eine lange und enge künstlerische Zusammenarbeit, nicht zuletzt am Schauspielhaus Zürich.

In der ersten Festival-Saison vom 9. August bis zum 23. September können sich die Besucher auf 120 Veranstaltungen in 17 verschiedenen Spielstätten in sieben Städten des Ruhrgebiets zwischen Duisburg und Dortmund freuen. Und zwar mit 33 Produktionen und Projekten, darunter 20 Eigen- und Koproduktionen, 16 Uraufführungen und sonstige Erstaufführungen und Installationen.

Das etwas unübersichtliche Programm, das Stefanie Carp und Christoph Marthaler jetzt der Presse auf der Essener Zeche Zollverein vorstellten, hält nur ein recht schwammig formuliertes Generalthema zusammen. Das Motto „Zwischenzeit“ oder „Das Ende der Zwischenzeit“ deutet auf einen prozesshaften Verlauf der dreijährigen Arbeit hin. Gemeint ist die Wandelbarkeit der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche, die oft nicht vorhersehbar sind und eine punktgenaue Planung selbst für die nahe Zukunft nicht möglich machen. Stefanie Carp: „Wir befinden uns in einem Stadium der Zwischenzeit. Flüchtende, vertriebene und migrierende Menschen durchziehen die Kontinente, werden ausgegrenzt, durch ewige bürokratische Prozesse am Leben gehindert.“ Was kommen wird, bleibt ungewiss.

Vorverkauf startet am 30. April

Große Teile des alle künstlerischen Bereiche berührenden Festivals werden entsprechend von Künstlern aus krisengeschüttelten Regionen des Nahen Ostens und Afrikas bestritten. Das betrifft vor allem die Tanztheater- und Schauspielproduktionen, aber auch bereits den Auftakt am 9. August im Duisburger Landschaftspark mit der aus Musiktheater, Tanz und bildender Kunst gemischten Kreation „The Head and the Load“ des südafrikanischen Regisseurs William Kentridge, die die Ausbeutung afrikanischer Menschen im Ersten Weltkrieg thematisiert.

Marthaler und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock präsentieren als nächste große Produktion ab dem 17. August in der Bochumer Jahrhunderthalle die Musiktheater-Kreation „Universe, Incomplete“, basierend auf der unvollendet gebliebenen „Universe Symhony“ des amerikanischen Komponisten Charles Ives. Und im Gelsenkirchener Musiktheater wird Marthaler seine erfolgreiche Musik-Revue „Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter“ ab dem 30. August zeigen.

Der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó wird Hans Werner Henzes Oratorium „Das Floß der Medusa“, ein Schlüsselwerk der 68er-Bewegung, szenisch aufbereiten und ab dem 31. August in der Bochumer Jahrhunderthalle präsentieren.

Tanz und Schauspiel setzen weitere Schwerpunkte, darunter Sasha Waltz mit ihrer Choreographie „Exodos“ oder die südafrikanische Choreographin und Aktivistin Mamela Nyamza mit ihrem Tanzstück „Black Privilege“. In den fünf Maschinenhauskonzerten auf der Essener Zeche Carl werden vorwiegend Musiker aus dem Nahen Osten Präsentationen denkbar unterschiedlicher Art zum Klingen bringen.

40 Jugendliche aus dem Ruhrgebiet werden sich unter dem Leitsatz „Wir haben keine Angst. Wir wollen alles“ in einem auf drei Jahre angelegten Stadtprojekt „#nofear“ mit ihren Ängsten auseinandersetzen und die Ergebnisse in einer performativen Dokumentation auf der Zeche Zollverein zeigen. Der Vorplatz der Jahrhunderthalle wird mit dem Torso eines Flugzeugs bestückt, der, dem Leitthema gemäß, im Laufe der drei Jahre verändert und bearbeitet wird.

Der Vorverkauf für alle Vorstellungen beginnt am 30. April um 9 Uhr. Infos: 0221/280210.

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