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Köln: Neu und trotzdem altvertraut

Köln : Neu und trotzdem altvertraut

Auf den ersten Blick wirken die fünf Herren wie eine Dorf-Combo mittleren Alters, die das Festzelt auf dem Schützenplatz mit der Bühne des „Gloria” verwechselt hat.

Markus Berges (Gesang und Gitarre), Ekimas (Bass), Wolfgang Proppe (Keyboards), Christian Wübben (Schlagzeug) und Henning Beckmann (Posaune) tragen Schlips und Krawatte und dabei solch todernst-pietätvolle Mienen zur Schau, wie es der Seriosität von Bestattungsunternehmern anstünde.

Tatsächlich jedoch ist Erdmöbel - so der Name der Band, der auf das DDR-Synonym für Sarg zurückgeht - zurzeit das wohl Vergnüglichste, was der deutschsprachige Pop-Sektor auf Liedermacher-Niveau zu bieten hat.

Lachen auf Rezept

Gäbe es Lachen auf Rezept, dann müsste auf der Packung Erdmöbel stehen. Das liegt vor allem an der neuesten, siebten CD. Sie heißt schlicht „No.1 Hits” - und genau das ist auch drauf. Zwölf Stücke, die zwischen 1965 und 2001 die Charts anführten. Bandgründer Berges - im grauen Nadelstreifen-Dreiteiler, mit schütterem Haupthaar, Bart und Brille - hat Klassiker von Tom Jones, Gilbert O´Sullivan oder den Bee Gees gnadenlos und konsequent eingedeutscht.

All das ist wunderbar umarrangiert, hört sich ganz neu und trotzdem altvertraut an.

Wenn Berges aus Robbie Williams´ Hit „The Road To Madalay” die bedeutungsschwere Zeile „Schlag´ mich zusammen auf dem Strand” extrahiert, herrscht vorbehaltlos gute Laune im Saal. Rund 400 Fans ließen sich in Köln fast zwei Stunden verzaubern.

Musikalisch haben´s alle fünf mächtig drauf, wobei besonders der Düsseldorfer Henning Beckmann seiner Posaune eine Fülle von Wohllauten entlockte. Bei „Fahler als fahl” („A whiter shade of pale”, Procol Harum) war nur der Klammerblues in der elterlichen Kellerbar schöner, und „Auf und ab” („Up and down”, Vengaboys) glänzt mit akzentuiertem Timing und einem Drive, der Sportmuffel zu regelmäßiger Morgengymnastik verführen könnte.

Nach rund einer Stunde hatten Erdmöbel dann den „Job als unsere eigene Vorband” mit Bravour erledigt und gingen zum Ein- bzw. Selbstgemachten über. Dazu gehören Stücke wie „Dreierbahn” (1996), Weisheiten über die Ehe - „Genau wie ich es mir wünsche” (1999) - oder cineastisch Ambitioniertes wie „In den Schuhen von Audrey Hepburn” (2003). Besser als ein Tag im Spaßbad.