Würselen: Naturally 7 begeistern wieder auf Burg Wilhelmstein

Würselen : Naturally 7 begeistern wieder auf Burg Wilhelmstein

Ohne Mikros geht es auch. Kaum zwei Minuten stehen Naturally 7 auf der Freilichtbühne der Burg Wilhelmstein, als die Hitze des Sommerabends das Mischpult vorübergehend lahmlegt. Während die Techniker sich gut fünf Minuten lang um die nötige Abkühlung mühen, lassen die Sänger sich nicht ausbremsen.

Sie machen unverstärkt weiter — und beweisen dabei erst recht, wie gut sie als A-cappella-Gruppe harmonieren. Der Song, den sie dafür wählen, kommt praktisch wie gerufen: Simon & Garfunkels „Sound Of Silence“ lassen sie derart schön in die Stille hineinschweben, dass es im Publikum auch bei Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke locker für eine Gänsehaut reicht. Und noch bevor die Technik wieder mitspielt, gibt es dafür die erste von vielen stehenden Ovationen des Abends.

Mehr als zwei Stunden lang beweisen die New Yorker, dass es eine Menge gute Gründe dafür gibt, dass sie bereits zum vierten Mal zu Gast auf Wilhelmstein sind. Denn was die Verbindung von teils vierstimmigem Gesang mit per Stimmband simulierten Instrumenten betrifft, haben sie den Bogen einfach raus. Vor allem „Schlagzeuger“ Warren Thomas, der passenderweise meist auf einem Podest hinter den übrigen Sängern thront, heimst immer wieder Szenenapplaus für seine per „Beatboxing“ eingestreuten Drums ein.

Und dass es selbst für Gitarren nicht zwingend Saiten braucht, zeigt sich eindrucksvoll bei „While My Guitar Gently Weeps“. Die berühmten Soli, die Eric Clapton dem Beatles-Song einst spendiert hat, simulieren Naturally 7 vom Feinsten. Das Beste daran ist, dass diese „Instrumentierungen“ zu keiner Zeit bemüht wirken, sondern dem Bandnamen entsprechend rüberkommen: ganz natürlich.

Viele Hits werden geboten. Gnarls Barkleys „Crazy“, Bob Marleys „Redemption Song“ und Stings „Englishman In New York“. Und zwischen den Stücken erweisen sich die Herren als charmante Plauderer und servieren zahlreiche heitere Anekdoten rund ums „Vocal Play“, wie sie ihren Gesang nennen.

Fein austariert ist das Programm: feinfühlig intonierte Balladen wie Coldplays „Fix You“ stehen nahtlos neben Stücken, die mit richtig viel Schmackes rausgehauen werden und das Publikum immer wieder von den Sitzen reißen und zum Mitsingen animieren. So gibt es am Ende gewaltigen Jubel für eine runde Leistung: ebenso frenetisch wie verdient!

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