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Würselen: Nasse „Spanische Nacht” mit dem Sinfonieorchester

Würselen : Nasse „Spanische Nacht” mit dem Sinfonieorchester

Mit einer „Spanischen Nacht” des Sinfonieorchesters Aachen unter der Leitung von Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch fand das Klassik-Sommer-Festival auf Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg seinen Abschluss.

Vier Veranstaltungen hatte Organisator Hans-Günter Leuchter im Angebot. Neben dem Orchester aus Aachen gab es eine Begegnung mit dem Ensemble Classiquw, der Jungen Sinfonie Köln sowie mit dem Südwestdeutschen Kammereorchester und dem ungarischen Startrompeter Gabor Boldoczki. Rund 2000 Zuschauer fanden sich in der Arena ein, um der Klassik zu lauschen.

Das Sinfonieorchester Aachen ist pünktlich - der Regen auch. Die Wassermassen strömen mit anhaltender Wucht, als Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch gerade den Musikerinnen und Musikern auf der bis auf den letzten Millimeter vollbesetzten Bühne den Einsatz gibt. „Fast wie in der Haarspray-Reklame”, meint zum Auftakt der widerstandsfähige Orchesterleiter. „Wir spielen bei jedem Wetter.”

Und man beweist es bis zum Schluss Maurice Ravels leidenschaftlicher „Bolero” im glühenden Bühnenlicht das heftige Trommeln auf dem Dache übertönt. Eine „Spanische Nacht” ist dem Publikum versprochen - und es bekommt sie.

Gleich zu Beginn weckt Bizets „Carmen-Suite” lebendige Bilder der Leidenschaft mit vertrauten Motiven. „Bizet war Franzose, sein Werk gilt allerdings als ,die spanische Oper, dabei war er nie in Spanien”, lächelt Bosch. Und wie die schöne Vision einer warmen südlichen Nacht erscheint Sopranistin Gundula Peyerl in cremefarbener, glitzernder Seidenrobe - natürlich schulterfrei - auf der steilen Treppe, um mit viel Gefühl und leuchtendem Sopran die Arie der Micaela aus „Carmen” zu singen.

Auch sie hält weiterhin durch, interpretiert mit Charme Léon Delibes kokettes „Les filles de Cadiz” (Die Mädchen von Cadiz) und entfaltet beim Ausflug in die spanische Operette - unbeeindruckt von den schwierigen Bedingungen - herzliche Bühnenpräsenz mit luftigen Koloraturen und beschwingten Melodien. Marcus R. Bosch und sein Orchester sind ihr zuverlässige Partner.

Dann werden seine Moderationen knapper, steuert man auf das „Ziel-Stück” des Abends zu, auf das sich die meisten Zuschauer besonders freuen: Ravels „Bolero”, den der Meister selbst übrigens für seine „schwächste Komposition” gehalten hat.

Auf der Freilichtbühne am Fuße des Bergfrieds verlangt der Bolero eine Menge Kraft, Eleganz und Feingefühl. Bosch und seinem Orchester gelingt eine klar strukturierte, spannungsreiche Umsetzung, der Funkte springt trotz sprühender Tropfen auf das Publikum über, das gebannt dem sich steigernden Rhythmus, den provokanten Soli und schließlich dem furiosen „Gesamt-Chaos” lauscht.

Eine geschickte Lichtregie steigert das Vergnügen. Enthusiastischer Applaus für alle, es gibt noch eine Arie als Zugabe. Dann heißt es: Schnell die Instrumente ins Trockene bringen.