1. Kultur

Köln: Namenlose Teppichleiche: Identität auch nach vier Jahren noch ungeklärt

Köln : Namenlose Teppichleiche: Identität auch nach vier Jahren noch ungeklärt

Für die Ermittler der Kölner Mordkommission „Flokati” ist es eine frustrierende Situation: Den Lebensweg des Mordopfers haben sie inzwischen einigermaßen rekonstruieren können. Nur den Namen der männlichen Leiche kennen sie noch nicht. Auch vier Jahre nach seinem Fund ist die Identität des Toten noch ungeklärt.

„Es kommen immer wieder Hinweise herein, doch der Durchbruch ist noch nicht in Sicht”, sagt Polizeisprecher Wolfgang Baldes auf ddp-Anfrage.

Spielende Kinder hatten am 30. März 2003 einen zusammengerollten Teppich am Rand eines Baggersees im Kölner Stadtteil Porz entdeckt. In den Rolle befand sich die bereits stark verweste Leiche eines Mannes.

Die Obduktion ergab, dass der Unbekannte etwa im Alter von 43 Jahren erstochen wurde. Was folgte, war ein kriminalistisches Puzzle, bei dem die Wissenschaft immer mehr an Bedeutung gewann. Doch was für die Polizei in TV-Serien wie „CSI” kaum mehr als eine Fingerübung ist, erweist sich in der Realität als zeitraubende Kleinarbeit.

So waren die Gesichtszüge des Toten aufgrund der Verwesung nicht mehr erkennbar. Erst nach einer aufwändigen Rekonstruktion in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Brandenburg und der Berliner Charité verfügt die Polizei nun über ein Bild, das den Getöteten zeigt, wie er zur Tatzeit ausgesehen haben könnte.

Hoffnung setzen die Ermittler auch auf zwei Tätowierungen des Opfers. Zum einen handelt es sich um eine etwa 30 Zentimeter große Echse auf dem linken Unterschenkel sowie ein „Tribal” am linken Oberarm. Eine Tätowierung sieht aus wie ein „L. E.”, die französische Abkürzung für Fremdenlegion. „Wirklich weiter gebracht hat uns das bislang auch nicht”, räumt Polizeisprecher Baldes ein. Schließlich sei die Fremdenlegion keine Einrichtung, die ihre Soldbücher der Polizei zur Verfügung stellt.

Mehr versprechen sich die Ermittler von einer Isotopenanalyse, die Rückschlüsse auf das Lebensumfeld des Getöteten ermöglicht. Sie basiert auf der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass sich Stoffe aus der Umwelt im Körper des Menschen ablagern.

Die mit der Untersuchung beauftragten Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass der Ermordete in Deutschland oder auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien geboren wurde und dort auch bis etwa 1976 gelebt hat. Das Gutachten besagt weiter, dass der Mann sich für mehr als drei Jahre in Deutschland aufgehalten hat, wobei die nachgewiesen Substanzen im Körper auf einen längeren Aufenthalt im norddeutschen Flachland hindeuten.

Auch Änderungen im Ernährungsverhalten lassen den Rückschluss zu, dass der Verstorbene 1976 seinen Aufenthaltsort verändert hat. Der Unbekannte war „Allesesser”, mit einem erhöhten Fleisch- und Fischanteil. Das Gutachten gelangt daher zu der Feststellung, dass der Ermordete von Mitte Februar 2002 bis kurz vor seinem Tod in Deutschland oder im benachbarten Ausland gelebt hat.

Dies passt wiederum zu den Erkenntnissen zum Gebiss des Toten. Er hatte offenbar eine Zahnbehandlung erhalten, wie sie in Deutschland oder anderen westeuropäischen Ländern mit hohem zahnmedizinischem Standard üblich ist. Dabei wurden auch hochwertige Materialien verwendet, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. Die Rechtsmediziner gehen weiter davon aus, dass in früheren Lebensjahren die zahnmedizinische Versorgung des Mannes deutlich schlechter gewesen ist.

Wenig Anhaltspunkte lieferte indes des Teppich, in den der Tote gewickelt war. „Das war Massenware”, sagt Baldes. Für die Lösung dieses Falls sei wohl neben kriminalistischem Können auch etwas Glück erforderlich: „Aber wir geben natürlich nicht auf.”