Aachen: NAK: Künstler Jan Hoeft über die Dinge und die Seele

Aachen : NAK: Künstler Jan Hoeft über die Dinge und die Seele

Mit dem Putzlappen und dem Schwamm stimmt etwas nicht. Sie sind zum Säubern gedacht — aber es fehlt der Schmutz. Die Oberfläche glänzt längst, Lappen und Schwamm sind aber noch wie neu. Eine Hand drückt leicht den Schwamm, aber er ist trocken. Kein Stäubchen, kein Tröpfchen, alles ist schick.

Das Foto ist Teil einer raumfüllenden Installation des Künstlers Jan Hoeft im Neuen Aachener Kunstverein (NAK): In der Mitte des Raumes befindet sich eine mannshohe, gläserne Kabine. An ihr sind vier Pumpen angebracht — „Heat Killer“ — die eigentlich zum Kühlen von Computern verwendet werden.

Die Jahresgabe (kleines Bild) des Kölner Künstlers Jan Hoeft an den Neuen Aachener Kunstverein trägt den Titel „Kühlkörper“. Der Künstler sprach mit der Kuratorin Jari Ortwig über seine aktuelle Installation im NAK. Foto: Andreas Herrmann

Wie ein Herz treiben die Pumpen eine schwarz-glitzernde Flüssigkeit durch dünne Schläuche, die zu insgesamt fünf Bildern an den Wänden führen. Die Schläuche durchstoßen die Fotos an bestimmten Stellen, etwa an den Fingerkuppen der Hände, die den Lappen und den Schwamm halten. Es sind äußerst sensible Stellen, oftmals die Augen von Menschen.

Führen die Schläuche in die Bilder hinein oder aus ihnen hinaus? In jedem Fall lässt das Schlauchsystem den gesamten Raum wie einen Körper erscheinen.

Ein Herz? Ein Körper? „Ja“, sagt Hoeft im Künstlergespräch zur Ausstellung mit der Kuratorin Jari Ortwig. „Vielleicht“, hängt er an. Es klingt, als meine er „nein“. Er habe oft keine Ahnung, was etwas sein soll. Aber er habe sich natürlich etwas dabei gedacht.

Hoeft bleibt im Gespräch oft im Vagen, will seinem Publikum augenscheinlich den Spielraum für Assoziationen nicht nehmen. Es wird aber klar, dass es ihm um Massenphänomene geht und um Massenprodukte. Wie die Fotos, sogenannte Stock-Bilder, die von Agenturen massenhaft für Publikationszwecke — meist Werbung — angeboten werden. Die Bilder seien „entkernt“, sagt Hoeft, ihnen fehle die Seele. Nur so kann dasselbe Foto, zig-fach verschlagwortet, für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Einen blau-weißen Himmel findet man dann vielleicht auch unter dem Stichwort „Glück“.

„Was passiert, wenn eine schwarze Flüssigkeit durch so einen Himmel geht?“, habe er sich gefragt, als er nach dem Motiv suchte. „Ist das negativ oder positiv? Ich weiß es nicht.“

Massenphänomene und Individualität, die Dinge und die Seele. Unsere Seele. Unser Sein. Es geht auch um die Art, wie wir leben, letztlich unsere Gesellschaft. Das verleiht ­Hoefts Installation auch eine politische Dimension — und jenseits der glänzenden Stock-Fotos etwas sehr Düsteres.

Die Doppelausstellung Jan Hoeft/Xavier Mary im Neuen Aachener Kunstverein, Passstraße 29, läuft noch bis zum 11. März. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 14 bis 18 Uhr.

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