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Närrischer Endspurt hat viele Züge

Närrischer Endspurt hat viele Züge

Euregio (an-o) - Jetzt wird es ernst für die Jecken: Der Fettdonnerstag läutet den Endspurt der närrischen Zeit ein, die den Aktiven und Zuschauern oft Marathon-Qualitäten abverlangt. Aber die Hauptsache ist: Spaß an dr Freud.

Tipp für Krawattenträger: Nicht ausgerechnet am Fettdonnerstag zum Rollkragenpullover greifen. Sonst fühlen sich die Möhnen auf den Schlips getreten, weil sie denselben doch als Beweis ihrer Machtübernahme abschneiden wollen. Und die Bützchen-Ration könnte sehr sparsam ausfallen. Besser hat es der, der mitschunkelt, mitsingt und sich von der guten Laune des Wieverfastelovends anstecken lässt und die bis zum langen Wochenende der Karnevalsumzüge hinüberrettet.

"Colonia Corrupta"

Wer sich in die Narrenhochburgen begibt, sollte sich einige Stunden vor Zugbeginn einen guten Platz an der Zugstreke sichern und mit Freunden und Bekannten schon einmal warmschunklen. Der Rosenmontagszug in Köln startet um 11.11 Uhr am Chlodwigplatz unter dem Motto "Klaaf und Tratsch - auf kölsche Art". Für den rund 6,5 Kilometer langen Weg braucht der närrische Lindwurm etwa vier Stunden. Den gleichen Weg nehmen einen Tag vorher die Schul- und Stadtteilzüge, die für viele den gleichen Stellenwert haben. Eine andere Kölner Besonderheit ist der alternative "Jeisterzoch", der am Samstagabend durch den Stadtteil Lindenthal zieht und sich des Kölner Klüngels annimmt. In Lindenthal wohnen nämlich viele Prominente, die auch das Buch "Colonia Corrupta" von Werner Rügemer bevölkern (mehr unter: www.Geisterzug.de).

"Läwe und läwe losse" heißt rheinisch-gelassen das Motto des Düsseldorfer Rosenmontagszuges, bei dem 70 Wagen, 45 Kapellen und 35 Fußgruppen die rund eine Million Besucher erfreuen wollen. Ganz närrisch ist die Einkaufsmeile Königsallee schon am Sonntag: Nach venezianischer Sitte trifft man sich, um auf der Straße zu tanzen, zu singen oder einfach nur Spaß zu haben.

In Aachen gehört der Sonntag dem Kinderzug mit dem Märchenprinzen Bernd I. und seinem Gefolge. Der elfjährige Gymnasiast führt den Zug mit vielen Jugendgruppen und fast allen Aachener Schulen an, der um 11.30 Uhr loszieht. Ab 14.11 Uhr machen dann die Jecken in den Stadtteilen die Straßen unsicher. Diese Umzüge gelten unter Pappnasen als Geheimtipp.

Erstmals ohne Polizeipferde

Mehr als 130 Fußgruppen, Karnevalswagen und 25 Musikgruppen nehmen am Aachener Rosenmontagszug teil. Ab 11.30 Uhr machen sich die Narren von der Oppenhoffallee auf den Weg, der quer durch die Innenstadt führt.

Erstmals ohne die Polizeipferde an der Spitze startet der Rosenmontagszug in Eschweiler um 12 Uhr. Bis zu 300.000 Jecken aus der gesamten Region werden erwartet, um Prinz Wolfgang I. und den rund 6000 Teilnehmern zuzujubeln. Die Innenstadt ist ab 11 Uhr gesperrt. Auswärtige finden am Drieschplatz (Richtung Weisweiler) oder am Arbeitsamt einen Parkplatz.

Den 50. Narrenumzug seit dem Krieg erlebt Düren am Orchideen-Sonntag. Um 14 Uhr starten 65 Gesellschaften und Gruppen aus Belgien, Holland, der Schweiz und Deutschland mit 630 Musikern, 1200 Uniformierten und 1500 Kostümierten zum Jubiläumszug.

Zehntausende Besucher zieht auch der Rosenmontagszug (ab 14 Uhr) im relativ kleinen Kreuzau alljährlich in seinen Bann. Herausragend in jeder Beziehung ist diesmal der Prinzenwagen. Walter I. (im Hauptberuf Bürgermeister der Gemeinde Kreuzau) winkt von einem 4,50 Meter hohen Gefährt dem Narrenvolk zu. Und wenn es die Kondition am Veilchendienstag noch zulässt, reiht man sich in die 350.000 Jecke ein, die ab 13.11 Uhr den traditionsreichen Umzug in Mönchengladbach als abschließenden Höhepunkt der Session erleben wollen. Am 11. 11. heißt es dann wieder Alaaf und Helau.