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Aachen: Nadine Capellmann hofft wieder

Aachen : Nadine Capellmann hofft wieder

Fast auf den Tag genau 20 Monate ist es her, dass die Musik zuletzt erklang. Als damals der Schlussakkord endete, waren Nadine Capellmann und Farbenfroh Doppel-Weltmeister. Alle Hoffnungen hatten sich erfüllt.

Als die 38-Jährige am Dienstag die CD erstmals seit September 2002 in den Player schob, war das gleichzeitig der Anfang neuer, großer Hoffnungen: An diesem Wochenende geben die Aachenerin und ihr Fuchswallach beim Dressurturnier in Nörten-Hardenberg endlich ihr lang erwartetes Comeback im Viereck.

Zweifel, Arbeit, Hoffnungen

Hinter den beiden liegen harte Monate. Monate voller Zweifel, Arbeit und Hoffnungen, die sich oft nicht erfüllten. Im Januar 2003 zog sich Farbenfroh eine Verletzung zu, die einen EM-Start verhinderte. Ein falsch eingeschlagener Hufnagel warf das Duo im September 2003 wieder zurück. Und eine leichte Zerrung verhinderte das geplante Comeback im März in Dortmund. „Es war nicht einfach, ich habe schon hin und wieder ans Aufhören gedacht”, gibt Nadine Capellmann zu.

Neben den Sorgen um Farbenfroh kam zudem der Ärger mit dem Dressurausschuss hinzu, der ihren 18-jährigen Gracioso trotz überzeugender Leistungen für die EM ausmusterte. „Die menschliche Enttäuschung war groß, zudem hat es dem Sport geschadet. Ich denke, beide Seiten würden das heute anders machen. Das ist abgehakt, auch mit Bundestrainer Holger Schmezer aus der Welt geräumt”, sagt die Weltmeisterin und will nur noch nach vorne schauen.

„Aachen 2006 ist verlockend”

„Ich glaube, Farbenfroh hat begriffen, dass es wieder losgeht”, meint sie mit Blick auf den Fuchs, der gelassen unter dem Solarium steht. Und fügt ernst hinzu: „Es ist nicht einfach, ganz oben zu sein und gleich darauf ganz unten. Viele Sportler haben das durchgemacht. Aber ich möchte noch einmal zurück, möchte weder Farbenfroh noch mich selbst so aus dem Sport verabschiedet wissen. Olympia und auch Aachen 2006 sind natürlich verlockend.” Auf dem Weg nach Athen, dem großen Ziel, muss sie bis Ende Juni zweimal bei einem internationalen Turnier 63 Prozent erzielen, für Farbenfroh in Normalform kein Problem. Dann geht es Mitte Juni zur DM nach Balve und Mitte Juli zum CHIO Aachen, den Olympiasichtungen. „Ich habe erst mal nur bis Balve geplant”, ist die 38-Jährige nach all den Rückschlägen vorsichtig geworden.

Früh geht es bereits nach Nörten-Hardenberg, damit Farbenfroh sich eingewöhnen kann, schließlich schaut er gerne mal durch die Gegend - bekanntermaßen auch während einer Prüfung. Und diesmal hat er allen Grund dazu, seit November 2003 hat er keinen anderen Platz gesehen. „Aber wenn er glotzt, weiß ich, er ist wieder der Alte”, würde das seine Reiterin diesmal sogar freuen, wohl wissend, dass die Konkurrenz auf jeden Aussetzer und jeden ,krummen Schritt ihres Wallachs gespannt warten wird. Im Sattel hat sie ein gutes Gefühl: „Farbenfroh ist wieder so in Form wie vor der Weltmeisterschaft in Jerez.” Spontan hat sie sich erst Anfang der Woche entschieden, in Nörten-Hardenberg statt des Spécials neben dem Grand Prix die Kür zu reiten. Zu jener Musik, bei der sich alle Hoffnungen erfüllten...