1. Kultur

Würselen: Mystische Reise durch wirbelnden Kosmos

Würselen : Mystische Reise durch wirbelnden Kosmos

Wie ein Sturm erfasst der Sound von Gocoo, der zwölfköpfigen japanischen Taiko-Band, das Publikum, die Bühne, alles was sie umgibt.

Und der Bergfried von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg erbebt unter den machtvollen Schlägen der sieben Trommlerinnen und fünf Trommler, die mit ihrer furiosen Show im Rahmen des Sommerfestivals hier Station machen.

Bis zum letzten Platz ist die Arena ausverkauft, in der zwei Stunden lang ohne Pause ein musikalisch-mythisches Spektakel Raum greift.

Gocoo hat eine wirbelnde Leitfigur: Kaoly Asano, zierlich wie eine Puppe, mit wehender schwarzer Mähne, feurigem Temperament und absoluter Perfektion bei jedem Schlag, jeder Modulation und jedem Rhythmuswechsel.

Ihre leidenschaftliche Lebensfreude und Musikalität sind ansteckend, ihre Ausstrahlung spürbar. Hier kann niemand unberührt bleiben, und auch den Frauen und Männern ihrer Truppe sieht man die Lust an, mit der sie das exotische Klanggewitter losbrechen lassen.

Sie trommeln sich in Trance, gehen auf in den starken Bildern einer meditativen Kunst, umwirbelt von buntem Licht und schwarzen Schatten.

Bis auf den letzten Zentimeter ist der Bühnenraum angefüllt mit den unterschiedlichsten Trommeln und anderen Instrumenten, die von ihren Spielerinnen und Spielern im virtuosen Wechsel bearbeitet werden.

Wie hinter einem Schutzwall verschwinden sie blitzschnell dahinter, gehen einfach in die Hocke, wenn sie gerade nicht an der Reihe sind, um dann plötzlich wieder wie aus dem Nichts aufzutauchen.

An exponierter Stelle hat GoRo, der geniale Meister geheimnisvoller Instrumente wie dem „Digeridoo”, einem Naturrohr, dem nicht nur die Aborigines archaische Klänge entlocken, oder der afrikanischen Kalimba.

Er sorgt immer wieder für feine Linien im wuchtigen und dennoch wohl strukturierten Klangbild. In jedem Stück wird eine faszinierende Systematik spürbar, die alle Kräfte einbindet, das jeweilige Motiv verdichtet und es bis zum ekstatischen Höhepunkt treibt.

Dann wieder kehrt Ruhe ein, entwickelt sich ein luftiger Klangteppich aus leisem Rauschen, Rufen, Klingen, Rascheln.

Der Zuhörer fühlt sich umfangen vom Zauber einer tropischen Nacht. Zunächst ganz leise tritt Kaoly erneut ein in den Dialog der Trommeln, die Augen sind geschlossen und die Truppe überlässt sich dem nächsten Höhenflug.

Verblüffend bleibt bei aller Individualität der Musiker, wie immer wieder der Klang zusammengeführt wird, eine Choreographie innerhalb der Gruppe gelingt, die plötzlich mit einem einzigen wuchtigen Schlag optisch eine gemeinsame Ausrichtung erhält.

Gocoo, das ist Inspiration und ein mächtiges Glücksgefühl, in dem das gesamte Publikum Platz hat.

Donnernder Applaus, die Taiko-Spieler werfen den Menschen um sie herum als Abschiedsgeschenk Tiermasken zu. „Wir kommen wieder.”