Aachen: Musikschauspiel „Eine Sommernacht“: Schwungvoll und mit Biss

Aachen : Musikschauspiel „Eine Sommernacht“: Schwungvoll und mit Biss

Gegensätze ziehen sich an: Die im Beruf erfolgreiche Scheidungsanwältin Helen (Regina Winter) und der in allen Belangen mittelmäßige Kleinkriminelle Bob (Tobias Steffen) landen — begünstigt durch die Faktoren Frust und Alkohol — miteinander im Bett. Aus der völlig verkorksten Nacht, die für beide noch viel Ärger nach sich zieht, kann sich nichts entwickeln, vor allem: soll sich nicht entwickeln. Dennoch laufen sich die beiden 35-Jährigen wieder über den Weg. Und es entwickelt sich eine Menge...

So weit die Ausgangslage im neuen Stück „Eine Sommernacht“, das im Aachener Das Da Theater eine bejubelte Premiere feierte. Was nach dem Stoff für eine der vielen romantischen Komödien klingt, haben die Autoren David Greig und Gordon McIntyre sehr zum Vergnügen der Zuschauer als schwungvolles, bissig-selbstironisches Musikschauspiel angelegt, das nicht linear und aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

In gespielten, zum Teil erzählten Szenen widersprechen sich die beiden immer wieder, um die jeweils ganz eigene Wahrnehmung der Geschehnisse in die Geschichte einzubringen. Die typisch männlichen und weiblichen Diskrepanzen der Eindrücke lassen herzlich lachen — keine Spur von abgedroschenen Klischees oder geschlechterspezifischen Kalauern. Ihre Gedanken stellen Helen und Bob als innere Monologe gegenüber. Dann spielen sie die Szene einfach noch einmal, Aussagen bekommen einen anderen Schwerpunkt, Nebensätze haben auf einmal den Charakter eines running gags oder werden plötzlich wichtig.

Was im verregneten Edinburgh als übler Abend der beiden beginnt, entwickelt eine Dynamik, die ein Feuerwerk an Gags und überraschenden Einfällen hervorbringt. Winter und Steffen spielen, singen, tanzen sich durch ein suffberauschtes Wochenende, dass es eine wahre Freude ist.

Songs von Elvis und Chapman

Dabei lässt Regisseur Tom Hirtz seinen beiden Darstellern alle Freiheiten. Den Originalliedern der Vorlage fügt er weitere Stücke hinzu, weil sie passen: „Fever“, Tracy Chapmans „Change“, Elvis‘ „Lets have a party“. Die Songs tragen und entwickeln die Handlung weiter — Steffen und besonders Winter stehen die Musikszenen exzellent zu Gesicht. Beide Darsteller und auch die Livemusiker Christoph Eisenburger und Tom Schreyer strahlen in jeder Szene extreme Spielfreude aus. Winter und Steffen schlüpfen en passant sogar in die Rollen aller Nebenfiguren.

Selbst das Bühnenbild (Frank Rommerskirchen und Nadine Dupont) ist ein Multitalent: Zu sehen sind in der Kulisse einer Tiefgarage unter dem Edinburgh Castle: eine Weinbar, Helens Schlafzimmer, Taxen, Bobs Bude, ein Pavillon im Park, das Hinterzimmer eines Fetischclubs, und, und, und. Dass selbst das Publikum einen Part in der Inszenierung erhält, ist ein weiterer von vielen guten Regieeinfällen, wenn auch nicht zwingend nötig.

Verdienter, lang anhaltender Beifall für furios spielende Darsteller und eine rundum gelungene Produktion.