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Aachen: Musikalisches Spannungsfeld voller Glanz

Aachen : Musikalisches Spannungsfeld voller Glanz

Studenten der Musikhochschule begeistern das Publikum im Theater Aachen bei Strawinskys „Le Rossignol“ und „Mavra“. Neue Runde in der erfolgreichen Zusammenarbeit von Musikhochschule und Aachener Theater. Auf dem Programm stehen zwei Kurzopern, die es in sich haben.

Gerade in der extrem verknappten Form der insgesamt 75 Minuten beanspruchenden Stücke wird den Akteuren ein großes Maß an Konzentration und Flexibilität abverlangt. „Le Rossignol“ nach Andersens „Chinesischer Nachtigall“ bewegt sich stilistisch zwischen dem expressionistisch funkelnden „Feuervogel“ und dem archaisch schroffen „Sacre du Printemps“.

Eingebettet in das Märchen hat man noch „Mavra“, eine auf Hochgeschwindigkeit getrimmte Burleske mit spielerischen Anleihen an russischen Folklorismus. Dass das Orchester der Musikhochschule die vielen Stil-, Klang- und Tempowechsel erfreulich sicher bewältigt, allein das verdient schon Respekt und zeigt, wie sorgfältig Herbert Görtz wieder mit seinen Musikern gearbeitet hat.

Hervorragende Solisten

Das gilt natürlich auch für die wie immer mit vollem Einsatz wirkenden Solisten. Ob die blitzenden Koloraturen des heilbringenden Vogels (Soo-Jin Park) in „Le Rossignol“, ob der virtuose Gewaltritt der beiden Hauptfiguren in „Mavra“ (Mila Veselovska und Javier Alonso) oder die Ensembleleistung im Ganzen: Musikalisch kann sich die Produktion hören lassen.

Die stilistische Unentschlossenheit zwischen schillernder Farbigkeit und spröder Härte in „Le Ros-signol“ greifen Regisseur Martin Philipp und Bühnenbildner Tassilo Tesche auf, indem sie die Handlung in eine geometrisch abstrakt geformte Landschaft ansiedeln, die mit pittoresken Waldmotiven kontrastiert.

Damit reflektieren die beiden zugleich das musikalische Spannungsfeld des Stücks, das Strawinsky zeitlebens als nicht befriedigend empfunden hat. Für „Mavra“ kommt das Team mit einem Tisch im Kaiserpalast aus und entfesselt ein kintopphaft überdrehtes Spieltempo.

Angesichts der psychologisch so gut wie gar nicht ausgeprägten Figuren setzt Philipp ohnehin stark auf typisierte komödiantische Effekte, was dem Spieltrieb der jungen Darsteller dankbar entgegenkommt. Begeisterter Beifall für eine ambitionierte Produktion.