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Aachen: Musikalische Noblesse kaum zu überbieten

Aachen : Musikalische Noblesse kaum zu überbieten

Es gibt wenige Streichquartette, die wie das international besetzte Fine Arts Quartet über fast sechs Jahrzehnte einen Spitzenplatz im konkurrenzstarken Olymp der Kammermusik einnehmen und alle nötigen Umbesetzungen schadlos überstehen konnten.

Dass der Auftritt des Star-Quartetts im sehr gut besuchten Krönungssaal einen Höhepunkt in der ohnehin hochwertigen Quintessence-Reihe markieren sollte, war zu erwarten.

Über die spieltechnische Perfektion hielten die vier Streicher jedoch noch manche Überraschung bereit, selbst bei einem allseits bekannten und beliebten Repertoire-Liebling wie Schuberts gewaltigem Streichquartett „Der Tod und das Mädchen”.

Auf „gewaltige” Eindrücke legten die Musiker allerdings keinen Wert. Bereits das markante Kopfmotiv schnellte impulsiv wie aus dem Handgelenk hervor, ohne äußeren Druck, dynamisch verhalten, mit sparsamem körperlichen Einsatz. Es entspann sich ein makelloses Ensemblespiel.

Man schürte die Spannung mit phantastischer klanglicher und stilistischer Biegsamkeit aus der unterschwelligen emotionalen Größe und Zerrissenheit der Musik, wobei sich das Ensemble dynamisch nicht an einem grauen Mezzoforte orientierte, sondern ein klingendes Piano kultivierte.

Damit schufen sich die Musiker die Voraussetzung, um das Final-Presto zu einem gespenstisch dahinhuschenden Prestissimo anzuheizen. Die unerschöpfliche Variations-Kunst Schuberts im berühmten Liedsatz servierte das Quartett mit einer kaum überbietbaren Noblesse.

Mit innerer Konzentration und äußerer Gelassenheit überzeugten die Streicher bereits zum Auftakt des Abends, als man mit dem 3. Streichquartett des einstigen amerikanischen Bürgerschrecks George Antheil den Blick auf eine originelle Rarität richtete.

Ein Werk, das in den Ecksätzen von Prokofieff-naher Motorik lebt, über die Antheil Folksong-ähnliche Melodien legt. Sowohl die feinnervige Bewegung der schnellen Sätze als auch die ätherische Ruhe des Ives-ähnlichen Largos waren bei den Gästen in allerbesten Händen.

Dazwischen gesellte sich „Quintessence”-Organisator und Flötist Anthony Reiss zu Mozarts wohl schönstem Flötenquartett hinzu, dem in D-Dur KV 285, das Reiss mit galantem Ton artikulierte, die melodischen Linien ebenso lebendig wie natürlich phrasierte und dabei von den Streichern geradezu auf Händen getragen wurde.