Vor 25 Jahren starb Nirvana-Frontmann Kurt Cobain: Wie ein Messias im Holzfällerhemd

Vor 25 Jahren starb Nirvana-Frontmann Kurt Cobain : Wie ein Messias im Holzfällerhemd

Der Sound war düster. Zu verzerrten Gitarren und schleppendem Schlagzeug sangen Bands wie Nirvana und Soundgarden von Entfremdung, vom Alleinsein, von Weltschmerz. Aber mit dem Tod von Nirvana-Frontmann Kurt Cobain, der sich am 5. April 1994 das Leben nahm, schien das Grunge-Genre dem Untergang geweiht.

25 Jahre später stellt sich die Frage: Was ist aus Grunge geworden, diesem nebligen Gemisch aus Hardcore Punk und Heavy Metal, und wer sind heute die Erben Nirvanas?

Es mag zu großen Teilen Langeweile und Gleichgültigkeit gegenüber der Welt gewesen sein, die immer mehr Jugendliche in den USA um 1990 zum Grunge trieb. Dazu mischten sich Unbehagen und die Angst vor sozialer Ausgrenzung in der Generation X. Nicht selten drehten sich die Songtexte um Drogen, Suizid und Vergewaltigung oder ein verzweifeltes Dasein in einer Welt voller kaputter Familien.

Niemand verkörperte diesen „existenziellen Kampf“ mehr als Kurt Cobain mit Nirvana, schreibt Steven Felix-Jager in seinem Buch „With God on Our Side“. Die Jugend der 1950er Jahre habe Elvis Presley gehabt, die 60er Bob Dylan und die 70er John Lennon – in den 1990ern sei die Stimme der Generation Kurt Cobain gewesen. Die Nirvana-Titel „Lithium“, „Smells Like Teen Spirit“ und „Come As You Are“ liefen in diesen Jahren in Dauerschleife. Und anders als Prince oder David Bowie, die zu Gott-ähnlichen Gestalten heranwuchsen, zeigte Cobain, dass Rockstars aussehen können wie gewöhnliche Leute mit Jeans, Holzfällerhemden und zerzausten Haaren.

Heute ist vom Grunge, der im Raum Seattle entstand und von dort in Nachbarstaaten und bis nach Europa gewandert war, wenig übrig. Mit Nirvanas schleichendem Übergang zum Mainstream, Cobains Suizid und dem Aus für Soundgarden 1997 zerfaserte das Genre. Grunge-Bands wie Pearl Jam, Alice in Chains und Temple of the Dog haben ihre besten Tage hinter sich, auch wenn sie (wie auch Soundgarden) teils bis heute auftreten.

Stattdessen rückten Bands wie Bush, Creed, Nickelback, 3 Doors Down und die Foo Fighters (mit Ex-Nirvana-Mitglied Dave Grohl) in den Mittelpunkt. In diesem Post-Grunge ging es um persönliches Leid, allerdings mit einer viel mainstream-tauglicheren und „fast konservativen Weltanschauung entlang des Komforts einer Gemeinde und romantischer Beziehungen“, schreibt Kritiker Tim Grierson.

Mit dem Britpop gefeierter Gruppen wie Oasis und Blur folgten weitere musikalische Sargnägel. In ihrem Überschwang sagten die Briten der bisweilen depressiven Grunge-Phase den Kampf an. Zum Nirvana-Titel „I Hate Myself And I Want To Die“ (Ich hasse mich und ich will sterben) erklärte Oasis-Sänger Noel Gallagher: „Das mache ich nicht mit.“

Kleinere Grunge-Bands gibt es seit den 2010er Jahren zunehmend wieder, doch insgesamt erscheint das Genre als tot. Geschenkt hat Cobain der musikalischen Nachwelt aber etwas anderes: aufrichtige Texte. Unter anderem haben Sängerin Lana Del Rey und die Rockband Weezer ihn als Vorbild genannt. Und selbst im Hip-Hop hat der Name Kurt Cobain heute Gewicht. Mitunter haben Rapper Jay-Z, 2Pac und Eminem ihn in ihren Zeilen aufgegriffen. Rapper XXXTentacion, der mit seinem Album „Skins“ die Chart-Spitze erklomm, sagte einmal: „Der einzige Mensch, der mich inspiriert, ist Kurt Cobain.“

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