Chorbiennale: Wie ein Baden in Wohlklang

Chorbiennale : Wie ein Baden in Wohlklang

Es ist schon Tradition, dass auch der WDR Rundfunkchor Köln seine künstlerische Visitenkarte bei der Aachener Chorbiennale abgibt. In diesem Jahr tat er dies zusammen mit dem Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund.

Das ergab insofern Sinn, als dieses große Dortmunder Chorgesangs-Projekt vom WDR gefördert wird. Der jugendliche Konzertchor bildet sozusagen die Elite dieses Projektes. Das Konzert in der wieder bis auf den letzten Platz besetzten Aachener Kirche St. Jakobwurde live im Rundfunk übertragen. Thema war getreu dem Motto der diesjährigen Chorbiennale „Nordklang“, ausschließlich zeitgenössische Musik aus Skandinavien.

An Schönheit kaum zu überbieten

Es begann mit einer Erweiterung des Programms: Im Gedenken an den letzte Woche verstorbenen Komponisten Sven-David Sandström sang der WDR-Chor sein Stück „Let him kiss“. Schon hier wurde offenbar, dass der deutlich verjüngte Chor unter seinem Leiter Stefan Parkman deutlich an klanglicher Homogenität gewonnen hat. Zur Interpretation von Jan Sandströms „Biegga Luohte“ und Arvo Pärts „Magnificat“ fanden der Kölner und Dortmunder Chor zu einem faszinierenden Mix aus professionellen und jugendlichen Stimmen zusammen, der an Klangschönheit kaum zu überbieten war. Dabei sind die kompositorischen Mittel der beiden Stücke äußerst konträr. Bewundernswert, wie die jungen Sängerinnen und Sänger der Chorakademie die an Jodeln erinnernden Gesangstechnicken von Sandström und die extrem ruhige und flächige Kompositionsweise von Pärt bewältigten und sich mit den Profis des WDR-Chor perfekt ergänzten.

Chormusik, die nur von professionellen Sängern bewältigt werden kann, waren „Trees“ von Lars Johan Werle und das abschließende „Time“ von Jakob Mühlrad, beides Komponisten aus Schweden. Vor allem letzteres, eine Auftragskomposition unter anderem des WDR, das am Tage vorher in Köln seine Uraufführung erlebt hatte, stellte extreme Anforderungen an den Stimmumfang vor allem der Soprane und war teilweise nur unter Zuhilfenahme der Stimmgabel durch die Sänger zu bewältigen.

Der Rundfunkchor erwies sich als ein ungemein kompetenter, blendend intonierender und in allen Stimmgruppen ausgeglichener Anwalt dieser etwas zerklüfteten Musik. Da wirkte Knut Nystedts „O crux“ mit seinen gut ausgehörten Klangballungen, aber auch den Dur-Dreiklang nicht scheuenden Stilmitteln in der Interpretation durch die Kölner mit ihrem satten Männerchorklang geradezu wie ein Baden in Wohlklang.

Der Dortmunder Jugendchor steuerte unter seinem Leiter Felix Heitmann mit Waldemar Ahlens bekanntem „Sommarpsalm“ und Ola Gjeilos „Ubi caritas“ zwei klug ausgewählte Stücke bei, die der jugendliche Chor bewegend schön zu Gehör brachte. Es war – einmal mehr – ein Abend mit Chormusik auf allerhöchstem Niveau.

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