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Von der Aachener Musikhochschule ins Berufsleben

2019 ... nur Mut! : Von der Aachener Musikhochschule ins Berufsleben

Magdalena Wolf startet 2019 in ihr Berufsleben als Cellistin. Eine Festanstellung kommt noch nicht infrage. Die 28-Jährige will sich noch ausprobieren.

Dem Geheimnis des Orchesterklangs ist sie seit ihrer Kindheit auf der Spur, Brahms, Mahler, Dvorak, Schostakowitsch – sie alle haben mächtige Werke komponiert, die den Einsatz von bis zu 120 Musikern verlangen, um Wucht und Komplexität dieser Musik zu entfalten: Magdalena Wolf hat inzwischen Anteil an diesem Klang, ein großes Glück.

Im Sommer wird die 28-Jährige nach fünf Jahren Studium mit ihrem Masterabschluss von der Musikhochschule in Aachen Abschied nehmen. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit der Hochschule mit dem Orchesterzentrum Dortmund hat sie rundum berufliche Kontakte geknüpft. Jetzt, wo sie fast mit dem Studium fertig ist, sitzt sie bereits als Aushilfe im Wuppertaler Sinfonieorchester. „Bis Juli, eine wichtige Erfahrung, ein tolles Orchester“, schwärmt sie.

„Ein bisschen wie Lotto“

Für Magdalena Wolf erfüllt sich ein Traum. Im Alter von fünf Jahren stand für die Tochter eines Kinderarztes und einer Lehrerin aus Paderborn fest: Das Cello muss es sein, kein anderes Instrument. Sie ist die Jüngste unter vier Geschwistern. „Alle haben gelacht und gesagt, die Kleinste will unbedingt das größte Instrument haben“, erinnert sie sich. Als sie sieben Jahre alt wurde, konnte der Unterricht beginnen – zunächst mit der Kinderausführung, bald schon mit dem „richtigen“ Cello. Beim ersten Einsatz in einem Jugendorchester war ihr klar, dass es das Gemeinschaftserlebnis ist, das sie fasziniert, das Zusammenwirken aller Instrumente, an dem sie Anteil haben möchte.

Eine Herausforderung bleibt selbst nach all den Jahren das Vorspielen, wenn man sich um eine Stelle bewirbt. „Bei uns heißt es tatsächlich, man ,gewinnt‘ ein Vorspielen, oder man ,verliert’ es, das ist ein bisschen wie Lotto“, sagt sie und lächelt. „Oft sind sehr viele gut ausgebildete Bewerber da, aber nur einer wird genommen. Das muss man verkraften.“

Ein zweites Standbein gibt es für sie bereits. „Ich habe zusätzlich ein Diplom in Musikpädagogik“, erzählt sie. „Auch als Orchestermusikerin möchte ich in Zukunft weiter unterrichten, dabei lernt man eine Menge von den Schülern.“ Wie das funktioniert, hat sie bei Cellist und Hochschullehrer Professor Hans-Christian Schweiker in Aachen erfahren. „Er fragt mich bei bestimmten Dingen, wie ich das einem Schüler erklären würde, das ist toll und inspirierend“, meint sie. „Es wird mir sehr fehlen, regelmäßig eine Stunde lang einen Lehrer für mich zu haben, das hört ja dann leider auf.“ Selbst das Cello muss sie nach dem Examen zurückgeben, denn das Instrument ist eine Leihgabe des Aachener Kammermusik-Fördervereins Accordate für talentierte Studenten.

Ins Jahr 2019 startet Magdalena Wolf dennoch mit viel Optimismus und dem Vorsatz, zunächst flexibel zu bleiben, sich auszuprobieren und umzusehen, offen für mögliche Angebote. Schließlich gebe es großartige Ensemble wie das Kölner Kammerorchester, das junge Musiker nur für bestimmte Projekte und für begrenzte Zeit engagiert. „Zum Bespiel für eine Tournee vom 1. bis 15. März nach Korea, da bin ich natürlich dabei“, sagt die Musikerin. „Oder ein anderes Orchester braucht Verstärkung, weil es Beethovens 8. Sinfonie aufführt, dann ruft das Management an.“

Für sie ist es zum Beginn ihrer beruflichen Laufbahn wichtig, sich musikalisch und künstlerisch auszuprobieren. Eine Festanstellung könnte zwar Struktur und finanzielle Sicherheit bieten. „Aber ich habe dann einen Dienstplan und einen Urlaubsplan, daran muss ich mich halten“, weiß Magdalena Wolf, die bereits im Studium unkonventionelle Einsätze mit ihrem Cello suchte. So wirkte sie bei der vom Geiger Yehudi Menuhin 1977 gegründeten Organisation „Live Music now“ mit, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Musik zu den Menschen außerhalb der Konzertsäle zu bringen. „Wir waren in einer Obdachloseneinrichtung, in einem Kinderhospiz, im Gefängnis und sogar in einer Forensischen Psychiatrie“, berichtet die Cellistin. „Das war spannend.“

Der Abschluss des Studiums ist der Abschied von gewissen Bequemlichkeiten, die das Netzwerk Hochschule anbietet. Die Cellistin muss sich zum Beispiel einen neuen Übungsraum suchen. „Als Student kann man in der Hochschule üben, das ist ganz selbstverständlich, da gibt es Räume für uns. Jetzt muss ich auf die Suche gehen“, sagt sie und seufzt. Für die nächste Zeit ist außer einer Festanstellung kaum etwas ausgeschlossen. Ein eigenes Projekt, etwas Neues – das würde sie gleichfalls reizen, vielleicht zusätzlich zum Orchestereinsatz ein eigenes Kammermusikensemble gründen.

Was die Cellistin besonders mag, sind die Komponisten des 20. Jahrhunderts mit ihren oft grüblerischen und rebellischen Kompositionen. „Da haben selbst die Hässlichkeit, das Schrille und Dunkle ihre Ausdrucksformen“, betont sie, die für sich persönlich den Noten gern Farbwerte verleiht – leuchtendes Rot, kühles Blau, warmes Gelb, düster, silbrig oder sogar golden. „Ich vermerke das in der Partitur, dann kann ich später sehen, ob sich mein Empfinden verändert hat“, verrät sie. 2019 – Magdalena Wolf freut sich darauf. Auf jeden Fall wird es ein „klingendes“, zukunftsweisendes Jahr. Fit bleibt sie beim Joggen und bei Bergwanderungen, zuletzt war sie in den Dolomiten. Rucksack statt Cello. Ein wirksames Training, das den Kopf frei macht und die Muskeln stärkt.