Ungewöhnlich: Sinfonieorchester Aachen und Quadro Nuevo begeistern

Sinfonieorchester Aachen : Mit viel Elan und guter Laune

Das 5. Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress kommt ungewöhnlich daher. Mit Quadro Nuevo ist ein Solisten-Ensemble zu Gast, das sich als „europäische Antwort auf den argentinischen Tango“ versteht - und noch viel mehr zu bieten hat.

In einem ungewöhnlichen Format hat sich das 5. Sinfoniekonzert präsentiert. Und das kam bei den Aachener Musikfreunden so gut an, dass man sich nicht nur über ein ausverkauftes Eurogress freuen konnte, sondern auch über offensichtlich neue Publikumsschichten. Das Geheimnis des Erfolgs liegt im äußerst lebendigen Zusammenspiel des Aachener Sinfonieorchesters mit dem deutschen Solistenquartett Quadro Nuevo, das sich als „europäische Antwort auf den argentinischen Tango“ versteht, dabei aber weit mehr zu bieten hat. Angesichts der Klasse und der Originalität, mit der die vier Musiker nicht nur lateinamerikanisches Flair verbreiteten und damit auch das Orchester mitrissen, ist ein langer, gleichwohl kurzweiliger Abend mit ungewöhnlich hohem Unterhaltungswert zu vermelden.

Ersetzen können solche Konzertformate traditionelle Angebote mit entsprechend anspruchsvolleren Beiträgen nicht ganz. Als Ergänzung wirken sie sich jedoch belebend aus. In Kauf nehmen muss man freilich, dass das Orchester in den Hintergrund tritt, wenn ein so erfolgreiches Ensemble wie Quadro Nuevo mit von der Partie ist. Seit 1996 tourt es, wenn auch nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung, mit seinen grenzüberschreitenden Arrangements zwischen Jazz, Weltmusik und Volkslied durch die Konzertsäle der Welt, räumt Preise in Serie ab, stürmt die Jazz-Charts und hat sich auch durch etliche Filmmusiken verewigt.

Saxofonist Mulo Francel, D.D. Lowka an Kontrabass und Percussion, Akkordeonist Andreas Hinterseher und die Harfenistin Evelyn Huber, allesamt auch auf anderen Instrumenten gewandt, präsentieren geschickte Arrangements von Musik aus allerlei Kulturen. Vom argentinischen Tango über das deutsche Volkslied und orientalische Arabesken bis zur italienischen Canzone und zum Wiener Walzer tauchen die vier alles in neue, klanglich schillernde Gewänder und können auch noch mit brillanten Improvisationseinlagen aufwarten. Auch wenn den Musikern des Sinfonieorchesters etliche dankbare Solo-Partien gegönnt werden, muss sich das Orchester eher mit einer Statistenrolle begnügen. Es bildet einen voluminösen Background, und die Blechbläser dürfen einige zackige Einwürfe beisteuern, wodurch das Spiel der Solisten an klanglicher Fülle gewinnt.

Gleichwohl hört und sieht man den Orchestermusikern an, welches Vergnügen ihnen die ungewohnte Aufgabe bereitet. Das betrifft auch den Gastdirigenten Rasmus Baumann, der als Gelsenkirchener Musikchef allem Neuen aufgeschlossen ist und seit Jahren wesentlich zum hohen Ansehen des dortigen Musiktheaters im Revier beiträgt. Mit der charmant-schwungvollen „Cuban Overture“ von George Gershwin und den härter geschnitzten Tänzen aus „Estancia“ des argentinischen Komponisten Alberto Ginastera leitet das Orchester die beiden Programmblöcke mit viel Elan und guter Laune ein, wobei Baumann es zu einem dynamisch druckvollen Spiel anregt, das die akustischen Möglichkeiten des Eurogress allerdings überfordert.

Das Publikum reagiert mit überschwänglicher Begeisterung auf die stilistischen Seiten- und Quersprünge dieses außergewöhnlichen Konzerts.