Kontrastreiches Spiel: Ukrainischer Musiker begeistert bei Aix-Piano

Kontrastreiches Spiel : Ukrainischer Musiker begeistert bei Aix-Piano

Die 6. Auflage der Klavierreihe Aix-Piano im Kammermusiksaal der Musikhochschule in Zusammenarbeit mit dem WDR ging zu Ende mit dem Auftritt des ukrainischen Pianisten Antonii Baryshevskyi, der dem Publikum ein spannungsreiches und auf stilistische Kontraste bedachtes Programm bot.

Dabei wurde gleich bei den ersten Tönen der drei Scarlatti-Sonaten zu Beginn deutlich, dass Baryshevskyi eher ein Pianist der großen Geste und scharfer dynamischer Kontraste ist als ein fein ziselierender, Klangfarben mischender Künstler.

Dieser Interpretationsansatz ist in dem relativ kleinen Kammermusiksaal nicht unproblematisch, führt er doch bei spätromantischer und zeitgenössischer Musik oft zu akustischen Extremsituationen, zumal wenn der Saal nur spärlich besetzt ist. Baryshevskyi nutzt bei Scarlatti die klanglichen Möglichkeiten des modernen Konzertflügels zu einem kontrastreichen Spiel ohne historisierende Ambitionen.

Völlig im virtuosen Moment

Seine Wiedergabe der 11 Stücke der Musica Ricercata von 1953 des Ungarn György Ligeti ist spannend und aufregend. Ligeti experimentiert hier zunächst mit einem Minimum an Tonmaterial, das von Stück zu Stück erweitert wird. Baryshevskyi hämmert die häufigen Tonrepetitionen, die rhythmisch markanten Ostinati mit großer Intensität und Wucht, verleiht aber auch den folkloristisch angehauchten späteren Stücken der Reihe einen ganz eigenen Charme.

Völlig in seinem virtuosen Element ist er dann bei zwei Sonaten von Alexander Skrjabin, zunächst der noch spätromantisch geprägten viersätzigen 3. Sonate, und schließlich der experimentelleren 4. Sonate. Seine pianistische und spieltechnische Souveränität erlaubt ihm, interpretatorisch aus dem Vollen zu schöpfen und Skrjabins überbordender Klangfantasie mit seinem orchestral wirkenden Klaviersatz die nötige klangliche Tiefe zu geben. Auch hier wie vorher schon bei Ligeti wird es für die Zuhörer bisweilen extrem laut.

Die große Geste bestimmt auch seine Wiedergabe von Robert Schumanns Zyklus „Carnaval“ op. 9. Die 22, auf einer Viertonreihe basierenden Einzelsätze, in denen Schumann bestimmte Persönlichkeiten und historische Figuren charakterisiert, erklingen in scharfen dynamischen Kontrasten, spieltechnisch absolut souverän und brillant, nicht ohne Poesie, auch wenn es der Interpretation bisweilen an sensibleren klanglichen Abstufungen und an Durchhörbarkeit der Linien mangelt.

Da klingt doch manches bei aller pianistischen Bravour allzu pauschal. Dem begeisterten Publikum serviert Barishevskyi als Zugabe eine Etüde von Skrjabin.

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