Aachen: Stimmungsvoll, festlich und altbewährt

Aachen : Stimmungsvoll, festlich und altbewährt

Das Weihnachtskonzert im Krönungssaal am 4. Advent lockt wieder zahlreiche Gäste. Knapp zwei Stunden spielt das Orchester auf.

Wenn Thomas Beaujean am Abend des 4. Adventsonntags in den Krönungssaal ruft, lässt sich die Fangemeinde nicht lange bitten. Um Rathaus und Dom gießt es in Strömen, an den von knöcheltiefen Pfützen umgebenen Weihnachtsmarktbuden bieten Printenbäcker ihre duftende Ware zu Ausverkaufspreisen feil. Und in Aachens guter Stube drängelt sich die Schar derer, die meist seit vielen Jahren genießen wollen, was ihnen der charismatische Dirigent zum Fest anrichtet.

Auch 2018, dem Jahr eins nach seinem Rückzug von der Leitung „seiner“ Cappella Aquensis, lässt sich wieder von einem stimmungsvollen Konzert berichten. Denn Beaujean hat sich für diesen Abend vor allem Instrumentales ausgedacht, mit dem Euro-Kammerorchester. Dabei gruppiert er Ralph Vaughan Williams’ Oboenkonzert, eine gediegen wohlklingende Preziose, die ganz ohne Anklänge von Weltkriegsschrecken 1944 entstand, zwischen drei eigenwillig zusammengestellte Sinfonia-Sätze aus Bach-Kantaten und Haydns 84. Sinfonie. Nun sind diese drei Programmteile nicht durchs Weihnachtsfest geeint, eher durch des musikalischen Leiters vorzüglichen Geschmack und sein Gespür für Besonderes und intelligente Querverbindungen. Dazu hat er für diese knapp zwei Stunden Musik das Orchester sehr ordentlich vorbereitet. Die Streicher musizieren schlank, sauber, phrasieren sinnfällig. Die Holzbläser (nebst Hörnern) kommen angemessen zur Geltung. Vielleicht könnten die Musiker in puncto Dynamik noch etwas plastischer zu Werke gehen, Gestus, Temperament und Ausdruck sind bei ihnen guten Händen. Der gerade 20-jährige Max Vogler an der Solo-Oboe lässt ebenfalls kaum Wünsche offen, seine Virtuosität ist über jeden Zweifel erhaben. Er erntet reichlich Applaus.

Als aber endlich die Cappella Aquensis auftritt, wird’s nun doch ein bisschen gefühlig im Gewölbesaal. Das liegt zum einen an Beaujean selbst, der vor lauter Wiederhörensrührung gar einen Einsatz im bekannten Bach-Choral „Jesus bleibet meine Freude“ verpasst. Zum anderen an den schönen Weihnachtssätzen und der hohen Kompetenz, die die neuerdings von Ulrich Brassel trainierten Sänger mitbringen. Zwei Christmas Carols von John Rutter und ein geradezu andächtig a-cappella zelebriertes „O magnum mysterium“ von Morten Lauridsen erklingen zur Erbauung des Publikums. Und als dann noch eine hübsch schräg arrangierte „Stille Nacht“ und das traditionelle „Er ist ein Ros entsprungen“ erklingen, stimmt festtäglicher Beifall auf die Feiertage ein.

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