Rammstein: Tourauftakt mit Feuer, Donner, Aschenebel

Europe Stadium Tour : Rammstein-Tourauftakt mit Feuer, Donner, Aschenebel

Die Brachial-Rocker aus Berlin bieten in Gelsenkirchen ein Spektakel der Superlative. Laut, martialisch und gewohnt provokativ.

Rammstein steht für Superlative. Das betrifft nicht nur die Verkäufe ihres nach zehn Jahren Pause veröffentlichten jüngsten Albums, sondern auch – und fast noch mehr – die Anziehungskraft ihrer pyromanischen Konzert-Spektakel. Zum Auftakt ihrer Europe Stadium Tour 2019, die nahezu überall ausverkauft ist, haben die Brachial-Rocker aus Berlin für beide Auftritte in der Gelsenkirchener Veltins-Arena rund 100.000 Tickets verkauft und den Fans im wahrsten Sinne des Wortes kräftig eingeheizt.

Donnerhall, Blitze und Bühnennebel versuchen zu Beginn, das restliche Tageslicht aus der geöffneten Arena zu verdrängen und ein wenig düstere Untergangsstimmung für die Wagnerianer der Popmusik zu verbreiten. „Ich kann auf Glück verzichten, weil es Unglück in sich trägt“, singt mit markant kernig rollendem „Rrrr“ Till Lindemann. Unterlegt wird der Rammsteiner Metal-Eintopf von hart geschrubbten Gitarrensounds und der gewohnten Dampframmen-Rhythmik. Ohne Ohrenschutz ist das akustische Inferno durchaus als gesundheitsgefährdend einzustufen.

Mit dem folgenden „Links 2-3-4“ wird der martialisch, teutonische Ungeist beschworen, mit dem Rammstein so gern kokettiert, was in der rechten, aber auch liberaleren Szene jedoch nicht immer verstanden wird. Kaum eine Band versteht es, so perfekt auf dem Marketing-Instrumentarium der Provokation zu spielen. Ihr Video zum Lied „Deutschland“, in dem sich Bandmitglieder als KZ-Insassen unter einem Galgen präsentieren, hatte jüngst für Entrüstung bis Protest gesorgt. Dabei bleiben die meisten Textaussagen vexierbildhaft und nicht selten augenzwinkernd ironisierend. Etwa in „Tattoo“: Falls die Liebe doch nicht so ewig wie der Name auf der Haut währt, muss eben eine neue Frau mit gleichem Namen gesucht werden.

Desaströse Klimabilanz

Verführerisch schmeichelnd und subtil böse, als hätte sich Sandmännchen in einen Stephen-King-Thriller verirrt, singt Lindemann bei „Mein Herz brennt“, wobei orientalisch anmutende Keyboardsounds etwas musikalische Abwechslung liefern. Die gibt es auch bei Richard Z. Kruspes Remix von „Deutschland“, der klingt als wäre der Elektrominimalismus von Kraftwerk mit den rauhen Industrial-Sounds von Die Krupps vermischt worden. Dazu tanzen die Musiker als LED-Strichmännchen – eher eine Persiflage auf Kraftwerk.

Immer wieder lodern Flammen auf der Bühne, ein überdimensionaler Kinderwagen wird samt Puppe abgefackelt, später wird Flake im Kochtopf gleichsam flambiert, Feuerschweife schießen durch die Arena, und von vier Türmen quellen Wolken schwarzen Aschenebels, der nach Schweröl stinkt, zum geöffneten Arenadach. Ein weiterer, eher trauriger Superlativ dürfte die desaströse Klimabilanz dieses Spektakels sein. In dieser Hinsicht zählt Rammstein zu den ewig Gestrigen.