Quatuor Voce in Aachen: Runder Klang, feinnervige Details

Konzert im Krönungssaal : Runder Klang, feinnervige Details

Die Aachener Kammermusikreihe Accordate startet mit Quatuor Voce erstklassig in die Saison. Dabei standen zwei Schwergewichte auf dem Programm.

Mit dem jungen französischen Streichquartett Quatuor Voce ist die Aachener Kammermusikreihe Accordate im wieder einmal vollbesetzten Krönungssaal des Rathauses in ihre 13. Saison gegangen. Die drei Damen Sarah Dayan und Cécile Roubin (Violine) und Lydia Shelley (Violoncello) und der Bratscher Guillaume Becker warteten in ihrem Programm mit zwei Schwergewichten der Quartett-Literatur auf: In seinem Quartett Nr. 15 d-Moll zeigt sich Mozart von einer ungewohnt dramatischen Seite, und Franz Schubert lotet in seinem letzten Quartett Nr. 15 G-Dur gar die Grenzen der Tonalität und der kompositorischen Gestaltungsmöglichkeiten aus.

Gegen den Trend

Es ist geradezu Mode unter jungen Quartettvereinigungen geworden, die „Modernität“ und Fortschrittlichkeit dieser Musik durch besondere Tongebungen und extreme dynamische Kontraste zu betonen. Schon bei den ersten Tönen des Mozart-Quartetts wird deutlich, dass das Quatuor Voce keinerlei Neigungen hat, sich diesem Trend anzuschließen. Das Klangbild ist von einer wunderbaren Intimität und Ausgeglichenheit, in dem selbst die von Mozart gesetzten schroffen Akzente immer in diesen runden Klangcharakter eingebettet bleiben.

Innerhalb dieses zurückgenommenen Klangbildes bieten die vier Musiker ungeheuer feinnervige Details, perfekt ausgehörte Linienführungen, sorgfältigste Artikulation und Phrasierung und arbeiten bei aller Zurückhaltung den dramatischen Charakter dieser Musik eindringlich heraus.

Der Austausch der Primaria bei der Interpretation des Schubert-Quartetts und die ungewöhnliche Positionierung von Cellistin und Bratscher verleihen Letzterem eine besondere Präsenz im Gesamtklang. Darin drückt sich gleichzeitig eine völlige Gleichwertigkeit der vier Musiker aus.

Schuberts weit dimensioniertes, ungeheuer spannungsreiches, mit seinen Stimmungsumschwüngen auf engstem Raum von schroffen Kontrasten gekennzeichnetes letztes Quartett findet im Quatuor Voce überlegen gestaltende Interpreten, bei denen bei aller tonlichen Intensität und klanglichen Ausdifferenzierung der Gesamtklang immer rund und kontrolliert bleibt, bei dem auch die schärfsten Kontrastsetzungen nie forciert erscheinen.

Abgerundet wurde das Programm mit drei Divertimenti von Benjamin Britten, in denen der bei der Entstehung 20-jährige Komponist mit spieltechnischen Möglichkeiten der Streicher experimentiert. Das Quatuor Voce zeigte bei der Aufführung eine mitreißende Spielfreude und Lust an dieser jugendlich-frischen Musik.

Als Zugabe boten die vier Musiker einen von arabisch gefärbter Folklore geprägten, raffiniert instrumentierten Ausflug in die Weltmusik.

Am Ende gab es begeisterten Beifall und Standing Ovations für einen spannenden und hochwertigen Kammermusikabend.

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