Deutsche Kammerphilharmonie beim Meisterkonzert: Probleme mit der Akustik

Deutsche Kammerphilharmonie beim Meisterkonzert : Probleme mit der Akustik

Der Auftritt der Bremen, die sich in den letzten Jahrzehnten in die Spitze der internationalen Orchesterlandschaft gespielt hat, bescherte dem Veranstalter der Meisterkonzerte, der Philharmonie Zuidnederland, ein nahezu volles Haus im Aachener Eurogress.

Mit der jungen Mexikanerin Alondra de la Parra waren ein neuer und glänzend promoteter Stern am weiblichen Dirigentenhimmel und der blutjunge kanadische Pianist Jan Lisiecki bei. Dass diese Protagonisten ein Programm boten, das allzu ausgetretene Pfade des Repertoires mied, kann ihnen nur zur Ehre angerechnet werden.

Mozarts selten zu hörende Sinfonie Nr. 26 Es-Dur ist eigentlich eine ausgedehnte Opernouvertüre und zeigt den 17-jährigen Komponisten in der schroffen Gegenüberstellung von Streichern und Bläsern, die in der Aufführung durch die Kammerphilharmonie noch betont wurde, in einer schöpferischen Experimentierphase. Aus dem kärglichen Orchesterpart in Frédéric Chopins 2. Klavierkonzert f-Moll vermag auch eine Kammerphilharmonie Bremen keine Funken zu schlagen.

Das tat dann um so mehr der Pianist Jan Lisiecki mit seiner kraftvollen und dennoch poetischen Wiedergabe des hoch-virtuosen Soloparts. Der Glanz seines Passagenspiels, die Eleganz der Verzierungen verbunden mit seiner breiten dynamischen Skala machten den Solopart zu einem Feuerwerk pianistischer Bravour. Dass Dirigentin und Orchester mit der diffusen Akustik des Eurogress nicht vertraut sind und die begleitenden Streicher sich klanglich dermaßen zurückhielten, dass sie über weite Strecken vom Klavier zugedeckt wurden, kann kaum den Künstlern angelastet werden. Als Zugabe spielte Lisiecki eines der Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Das Problem der Akustik beeinträchtigte denn auch die Aufführung des Hauptwerks des Abends: Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta, eines der bedeutendsten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts. Die spieltechnisch auf hohem Niveau stehende und in den folkloristisch gefärbten Sätzen zwei und vier sehr temperamentvolle und vitale Aufführung dieses diffizilen Werkes verlor durch die gerade für Streicher ungünstige Akustik viel von ihrer klanglichen Brillanz und anspringenden Vitalität.

Dass die Aufführung dennoch zu einem Publikumserfolg wurde, spricht für die hohen Qualitäten des Orchesters und seiner jungen Dirigentin.